Header Image
Recht & Steuern
DOKUMENTNUMMER: NEW004948

Behandlung der Dienstwagenbesteuerung aufgrund von Corona

IHK - Corona-Infos - Recht | SLIDERDie steuerliche Behandlung eines Dienstwagen regelt das BMF-Schreiben vom 04. April 2018 - eine Sonderregelung wegen der Corona-Krise gibt es bislang noch nicht.

Darf ein Firmenwagen privat genutzt werden, so liegt für den Mitarbeiter ein geldwerter Vorteil und damit Arbeitslohn vor. Bei Anwendung der 1 Prozent-Regelung wird pauschal für jeden Kalendermonat 1 Prozent des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattungen als Arbeitslohn angesetzt. Damit sind die Privatfahrten, z. B. im Urlaub, am Wochenende oder Freizeit abgedeckt.

Der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten ist auch dann anzusetzen, wenn das Kraftfahrzeug tatsächlich nur gelegentlich überlassen wird. Gleiches gilt, wenn der Mitarbeiter das Fahrzeug aktuell nur selten für private Fahrten nutzt. Allein auf die Möglichkeit kommt es an.

Die Monatsbeträge brauchen nach Ansicht der Finanzverwaltung nicht angesetzt zu werden:

  • für volle Kalendermonate, in denen Mitarbeitern kein betriebliches Kraftfahrzeug zur Verfügung steht, oder
  • wenn Mitarbeitern das Kraftfahrzeug aus besonderem Anlass oder zu einem besonderen Zweck nur gelegentlich für nicht mehr als fünf Kalendertage im Kalendermonat überlassen wird. In diesem Fall sind der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten und der pauschale Nutzungswert für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte je Fahrtkilometer mit 0,001 Prozent des inländischen Listenpreises des Kraftfahrtzeuges zu bewerten. Zum Nachweis der Fahrtstrecke müssen die Kilometerstände festgehalten werden.

Wird Mitarbeitern ein Kraftfahrzeug mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, es für Privatfahrten nicht zu nutzen, ist von dem Ansatz des pauschalen Nutzungswertes abzusehen, wenn das Nutzungsverbot durch entsprechende Unterlagen (z. B. eine arbeitsvertragliche oder andere arbeits- oder dienstrechtliche Rechtsgrundlage) nachgewiesen wird.

Zu den Privatfahrten kommt noch die Bewertung der Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte hinzu. Kann ein Dienstwagen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt werden, ist dieser Vorteil grundsätzlich mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer zu bewerten. Dies ist ein monatlicher Ansatz und gilt unabhängig von der Anzahl der monatlichen Fahrten. Unterbrechungen der Fahrten durch Urlaub oder Krankheit ist im Nutzungswert pauschal berücksichtigt. Es erfolgt keine unterjährige oder untermonatliche Änderung. Das gilt auch für die aktuelle Situation im Rahmen der Corona-Krise.

Ein Arbeiten im häuslichen Arbeitszimmer oder im Home-Office führt nicht dazu, dass dieses zur ersten Tätigkeitsstätte wird und dadurch der geldwerte Vorteil auf Null sinkt. Ein Büro in der privaten Wohnung des Mitarbeiters kann nie erste Tätigkeitsstätte werden. Es verbleibt somit auch beim Arbeiten von zu Hause bei dem Ansatz des 0,03 Prozent-Wertes.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist jedoch eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten mit 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer möglich. Diese Bewertungsmethode kommt insbesondere bei einer selten aufgesuchten ersten Tätigkeitsstätte in Betracht. Der Mitarbeiter hat in diesem Fall gegenüber dem Arbeitgeber monatlich fahrzeugbezogen schriftlich zu erklären, an welchen Tagen mit Datumsangabe das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wurde.

Allerdings muss der Arbeitgeber zu Beginn des Kalenderjahres eine Entscheidung zur Bewertung treffen und die Anwendung der 0,03-Prozent-Regelung oder der Einzelbewertung für jedes Kalenderjahr einheitlich festlegen. Diese Entscheidung gilt aber das ganze Jahr und kann nicht unterjährig gewechselt werden.

Arbeitnehmer, die seit Januar 2020 die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte nach der Einzelbewertung ermittelt haben, profitieren von den verringerten Fahrten in der derzeitigen Situation. Der geldwerte Vorteil wurde somit geringer.

Bei Arbeitgebern oder Arbeitnehmern, die seit Januar 2020 den geldwerten Vorteil in den Vormonaten des Jahres 2020 pauschal mit 0,03 Prozent ermittelt haben, ist ein Wechsel derzeit nicht möglich. Der geldwerte Vorteil bleibt also trotz weniger Fahrten gleich hoch.

Im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung sind die Mitarbeiter nicht an die im Lohnsteuerabzugsverfahren angewandte 0,03-Prozent-Regelung gebunden und können für das gesamte Kalenderjahr zur Einzelbewertung wechseln. Sie können also dem Finanzamt erklären, dass der Arbeitgeber die Bewertung der Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte mit 0,03 Prozent vom Bruttolistenpreis vorgenommen hat. Allerdings wegen der Verlegung der Arbeit in das Home-Office für einen bestimmten Zeitraum, weniger Fahrten anzusetzen sind. Dies muss der Arbeitnehmer dann dem Finanzamt erklären.

Als Alternative zu der pauschalen Ermittlung kommt die Ermittlung der privaten Nutzungsvorteile anhand eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs in Betracht. Ein unterjähriger Wechsel zwischen der  1 Prozent-Regelung und der Fahrtenbuchmethode für dasselbe Kraftfahrzeug ist aber nicht zulässig. Auch hier gilt die Entscheidung zu Beginn des Kalenderjahres zu treffen.

Ihr Ansprechpartner
Carsten Bacher
Carsten BacherTeamkoordinator Außenwirtschaft & Steuern
Tel.: 07131 9677-120Fax: 07131 9677-88-120carsten.bacher@heilbronn.ihk.de
Social Bookmarks
  • Facebook
  • Twitter
  • XING
Facebook
Twitter
XING
YouTube