Header Image
Recht & Steuern
DOKUMENTNUMMER: NEW005258

Ultra-lockere Geldpolitik und Pensionsverpflichtungen der Unternehmen

RUS - Entwicklungen Steuereinnahmen - AKTUELLES | TERMINEHerausforderungen für die betriebliche Innen- und Außenfinanzierung.

Die geldpolitischen Maßnahmen in der Corona-Pandemie verstärken die Effekte der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinspolitik auf die Ertragssituation und Bonität des Mittelstands in Deutschland.

Belastungen ergeben sich insbesondere aus den Pensionsverpflichtungen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Diese entscheiden sich zumeist für eine Direktzusage als Form der betriebli-chen Altersvorsorge. Unternehmen müssen die entsprechenden zukünftigen Zahlungsansprüche in der Bilanz in Form von Pensionsrückstellungen berücksichtigen. Die nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) bilanzierenden KMU müssen den Barwert der Rückstellung für künftige Pensionsverpflichtungen durch den sogenannten HGB-Rechnungszins ermitteln. Der HGB-Rechnungszins liegt, trotz mehrfacher Streckung der Bezugszeitraums bei der Ermittlung des Abzinsungssatzes, deutlich oberhalb der im anhaltenden Niedrigzinsumfeld überhaupt am Markt erzielbaren Verzinsung. Folglich müssen die Unternehmen mehr Mittel aus dem laufenden Geschäft einsetzen, um ihre Pensionszusagen auszufinanzieren. Die gesonderte steuerliche Bewertung der Pensionsrückstellungen zu einem marktfernen, festen Zinssatz verschärft die Ertragssituation der Unternehmen. Letztlich werden deshalb Gewinne besteuert, die die Betriebe überhaupt nicht realisieren. Diese Belastung der Innenfinanzierung der Unternehmen kommt einem Schwund an finanziellen Mitteln gleich, die für betriebliche Investitionen fehlen.

Der Anstieg von Pensionsrückstellungen im Niedrigzinsumfeld hat zudem negative Effekte auf die Bonität der Unternehmen. Rückstellungen stellen langfristige Verbindlichkeiten dar, sodass deren Zunahme den Verschuldungsgrad der Unternehmen erhöht bzw. ihre Eigenkapitalquoten tenden-ziell senkt. Zudem ist der Aufbau von Pensionsrückstellungen gemäß HGB Erfolgs wirksam. Die ent-sprechende Belastung der Unternehmensgewinne hat negative Auswirkungen auf weitere wichti-ge betriebswirtschaftliche Erfolgskennzahlen wie z. B. die Umsatzrendite. Eine Verschlechterung solcher Bilanzkennzahlen sowie Key Performance Indicators (KPI) geht zulasten der Bonität der Unternehmen und kann dementsprechend zu Schwierigkeiten beim Zugang zur Außenfinanzierung führen. Damit werden die Spielräume für betriebliche Investitionen ebenfalls kleiner.

Die anhaltende Niedrigzinspolitik im Zusammenwirken mit dem Anstieg der Pensionsrückstellun-gen können die betriebliche Ertragslage sowie Bonität und damit sowohl die Innen- als auch die Außenfinanzierung der Unternehmen belasten. Letztlich ist es eine jeweils individuelle Frage, wie viel Luft einem KMU angesichts seiner sich verteuernden Pensionsverpflichtungen für betriebliche Investitionen zur Verfügung steht. Entsprechende Zukunftsinvestitionen sind vor allem in einer Hochlaufphase bei einem Ausklingen der Corona-Pandemie, aber auch mit Blick auf den strukturel-len Wandel in der deutschen Industrie (insbesondere im Automobilsektor) sowie vor dem Hintergrund klimaschutzpolitischer Ziele eine Voraussetzung für die Sicherung der internationalen Wett-bewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik kann sich die betriebliche Altersvorsorge als Hemmschuh für Zukunftsinvestitionen deutscher Unternehmen erweisen.

Ihr Ansprechpartner
Carsten Bacher
Carsten BacherTeamkoordinator Außenwirtschaft & Steuern
Tel.: 07131 9677-120carsten.bacher@heilbronn.ihk.de
Social Bookmarks
  • Facebook
  • Twitter
  • XING
Facebook
Twitter
XING
YouTube