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DOKUMENTNUMMER: UEU008713

UBA-Studie zu Treibhausgas-Emissionen

Die 2020-, 2030- und 2035-Ziele werden nicht erreicht, können aber durch zusätzliche Maßnahmen angenähert werden. Die zugrunde gelegten Annahmen insbesondere Wachstum, Bevölkerungsentwicklung und Energiepreise sind schwierig zu prognostizieren.

Die beigefügte Studie „Politikszenarien für den Klimaschutz VII, Treibhausgas-Emissionsszenarien bis zum Jahr 2035“, v. Januar 2018 wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durch das Öko-Institut (Berlin) und Fraunhofer ISI (Karlsruhe) erstellt. Hintergrund sind die Projektionsberichte bzw. Verpflichtung der Bundesregierung nach der UN-Klimarahmenkonvention, nationale Treibhausgasinventare zu erstellen mit den entsprechenden Maßnahmen zur Erreichung der Treibhausgas-Reduktionsziele.

Bereits in unserem Rundschreiben vom 07.09.2017 hatten wir über den letzten Projektionsbericht 2017 der Bundesregierung informiert, dass das kurzfristige Ziel, die C02-Emissionen um 40% bis 2020 gegenüber 1990 zu senken, nicht erreicht wird.

Hintergrund dieser UBA-Studie:
Im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 und im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) wurden im Dezember 2014 zusätzliche Maßnahmen von der Bundesregierung beschlossen, um das Treibhausgasminderungsziel von 40% bis 2020 gegenüber 1990 zu erreichen. Diese hat das Konsortium in einem zweiten Szenario abgebildet, dem Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario (MWMS). Letzteres wurde im Oktober 2016 von der Bundesregierung bei der Europäischen Kommission eingereicht. Um die Vergleichbarkeit der Szenarien sicherzustellen, wurde in beiden Szenarien (MMS und MWMS) der gleiche Rahmendatensatz verwendet. Der vorliegende Bericht entspricht inhaltlich im Wesentlichen dem Projektionsbericht der Bundesregierung 2015.

Aus der beigefügten Studie, die vom UBA „rechtzeitig“ zu den aktuellen Koalitionsverhandlungen vorgelegt wurde, ist u. a. festzuhalten:

  1. Zwei Szenarien für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen von 2005 bis 2035 wurden erarbeitet:
    Ein Mit-Maßnahmen-Szenario (MMS), in dem alle bis zum 31. August 2014 in den verschiedenen Sektoren neu eingeführten oder maßgeblich geänderten klima- und energiepolitischen Maßnahmen enthalten sind. Dieses Szenario wurde am 15. März 2015 von der Bundesregierung bei der Europäischen Kommission eingereicht.

    Ein Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario (MWMS), in dem die im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 und im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz im Dezember 2014 zusätzlich von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen, um das Treibhausgasminderungsziel von 40% bis 2020 gegenüber 1990 zu erreichen, enthalten sind. Dieses Szenario wurde im Oktober 2016 von der Bundesregierung bei der Europäischen Kommission eingereicht.

  2. Weder die 2020-, 2030- und die 2035-Ziele werden mit den geplanten Maßnahmen erreicht.
  3. Für die gesamten Treibhausgasemissionen (ohne LULUCF) ergibt sich im Mit-Maßnahmen-Szenario für den Zeitraum 1990 bis 2020 eine Minderung um 32,7 % (Vorgabe minus 40%), bis 2030 werden 43 % gemindert (Vorgabe minus 55%) und bis 2035 etwa 48 % erreicht.

  4. Im Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario werden im Zeitraum 1990 bis 2020 etwa 37,4 % gemindert, bis 2030 49 %, und bis 2035 liegt die Minderung bei knapp 53 %.

  5. Wesentliche - und schwierig zu prognostizierende - Annahmen sind die künftige gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zur Entwicklung der Energie- und Kohlendioxid-Preise (CO2-Preise), der Struktur und Nutzungsdauer des Kraftwerksparks und zur Bevölkerungsentwicklung.

    Bei der demographischen Entwicklung erreicht die deutsche Wohnbevölkerung bis 2002 ihr höchstes Niveau; geht dann bis 2011 um ca. 1,5 Mio. Menschen nach unten; steigt zwischen 2012 und 2014 noch minimal an und geht in den folgenden Jahren kontinuierlich leicht zurückgeht bis 2035 auf knapp 78 Millionen Einwohner. Die Zunahme aufgrund der Flüchtlinge ist wohl nicht berücksichtigt.

    Bei der wirtschaftlichen Entwicklung wird bis 2035 ein relativ stetiges Wachstum unterstellt. Das Niveau des deutschen Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2035 liegt danach um ca. 32% über dem des Jahres 2010. Dies kann sich allerdings auch kurzfristig sehr stark ändern, wie die Wirtschaftskrise in 2008/09 zeigt.

    Der Preis für Rohöl wird im Jahr 2035 deutlich über dem Preis des Jahres 2010 liegen. Es wird ein Anstieg um 57% erwartet.

    Die Preise für EU-Emissionsberechtigungen sollen steigen bis 2035 auf 57 € je Tonne C02. Allerdings haben sich die Preisannahmen für aus heutiger Sicht als zu optimistisch.

  6. Die energiebedingten Treibhausgasemissionen werden wesentlich bestimmt durch die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger in den Energiesektoren, den Endverbrauchssektoren Industrie, Haushalte, Verkehr, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sowie die flüchtigen CH4-Emissionen aus dem Kohlenbergbau sowie der Öl- und Gaswirtschaft.

  7. Die größten Beiträge zur Emissionsminderung im Mit-Maßnahmen-Szenario erbringen Jahr 2020 (bis 2035 in Klammer):
    - die vermehrte Einspeisung erneuerbarer Energien durch das EEG: 142 Mio. t CO2 (171 Mio. t CO2)   
    - die Einsparungen von Strom in den einzelnen Sektoren: 47 Mio. t CO2 (51 Mio. t CO2)   
    - die Einbeziehung industrieller N2O-Emittenten in den EU-Emissionshandel: 23 Mio. t CO2 (23 Mio. t 
      CO2) 
    - die Biokraftstoffbeimischung: 14 Mio. t CO2 (13 Mio. t CO2)  
    - CO2-Emissionsstandards für Pkw und Kraftfahrzeugsteuer (Kfz-Steuer): 1,9 Mio. t CO2 (5,6 Mio. t
      CO2)   
    - die Lkw-Maut: 1,6 Mio. t CO2 (1,7 Mio. t CO2)   
    - das BMWi-Programm „Energieberatung Mittelstand“: 1,1 Mio. t CO2 (1,1 Mio. t CO2)   
    - der europäische Emissionshandel: 8,0 Mio. t CO2 (16,1 Mio. t CO2)   
    - die EnEV durch bedingte Sanierungsanforderungen und die Novelle 2016 für Neubauten: 0,8 Mio. t
      CO2 (2,9 Mio. t CO2)  
    - die KfW-Programme für energieeffiziente Gebäude: 0,6 Mio. t CO2 (2,1 Mio. t CO2)

    Im Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario erbringen bis 2020 die größten Beiträge zur Emissionsminderung:
    - die zusätzlichen Einsparungen von Strom durch NAPE-Maßnahmen in den einzelnen Sektoren: 10-13
      Mio. t CO2
    - die Braunkohle-Sicherheitsbereitschaft: bis zu 11 Mio. t CO2
    - flankierende Maßnahmen aus Aktionsprogramm Klimaschutz und NAPE: 4,1 Mio. t CO2
    - die KWK-Förderung: 4 Mio. t CO2
    - die Einführung eines Energieeffizienzlabels für bestehende Heizsysteme: 2,2 Mio. t CO2
    - die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Personenfernverkehrs: 1,8 Mio. t
      CO2
    - die Stärkung des Schienengüterverkehrs und der Wasserstraßen: 1,5 Mio. t CO2.8.

  8. Im Mit-Maßnahmen-Szenario geht der Primärenergieverbrauch von 2008 bis 2035 um etwa 24 % zurück. Der Endenergieverbrauch in im Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario sinkt von 2012 bis 2035 um 23 %.

  9. Der Endenergieverbrauch der privaten Haushalte geht im Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario von 2012 bis 2035 um 31 % zurück, für den GHD-Sektor (Gewerbe, Handel, Dienstleistungen) ist ein Rückgang um 29 % zu beobachten.

  10. Die Bruttostromerzeugung sinkt im Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario bis 2035 auf etwa 559 TWh.
Ihr Ansprechpartner
Nicole Meier
Nicole MeierReferentin Energieberatung & Energiemanagement
Tel.: 07131 9677-311Fax: 07131 9677-88-311nicole.meier@heilbronn.ihk.de
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