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Strafzölle
DOKUMENTNUMMER: INT010112

Zollstreit mit den USA

1. Die USA verhängen Strafzölle auf EU-Ware
2. Die EU beschließt Ausgleichszölle
3. USA und China
4. USA und Frankreich
5. USA und Türkei
6. Wer trägt die zusätzlichen Zölle?
7. Ausblick Zollstreit

Nach einer längeren Periode weltweiten Zollabbaus ist der Protektionismus auf dem Vormarsch. Staaten schotten sich ab und wollen so die heimische Industrie besserstellen. In jüngster Zeit initiierten insbesondere die USA, China, Türkei und die EU verschiedene, protektionistische Maßnahmen. Oft handelt es sich um Maßnahmen tarifärer Art, also Zölle.
Im Zollstreit geht es vor allem um sogenannte Straf-, Ausgleichs- und Antidumpingzölle. So kann beispielsweise die Europäische Union unter bestimmten Voraussetzungen zum Schutz gegen als unfair erachtete Handelspraktiken bei Einfuhren aus nicht zur Europäischen Union gehörenden Staaten „Strafzölle“ erlassen. Werden Zölle zum Schutz gegen gedumpte Waren erlassen, spricht man von „Antidumping-Zöllen“. Strafzölle zum Schutz gegen die Einfuhr subventionierter Waren heißen „Ausgleichszölle“.


1. Die USA verhängen Strafzölle auf EU-Ware
1.1 Strafzölle auf Aluminium und Stahl
Seit 1. Juni 2018 erheben die USA Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium mit EU-Ursprung.
Folgende Warennummern (Codes des Harmonisierten Systems (HS)) sind betroffen:
HS-Codes Aluminium

  • 7601 – Aluminium in Rohform
  • 7604 – Stangen (Stäbe) und Profile
  • 7605 – Draht
  • 7606 und 7607 – Bleche und Bänder / Folien und dünne Bänder
  • 7608 und 7609 – Rohre / Rohrformstücke, Rohrverschlussstücke und Rohrverbindungsstücke
  • 7616.99.51.60 und 7616.99.51.70 – andere Waren aus Aluminium, gegossen, geschmiedet


HS-Codes Stahl

  • 7206.10 bis einschließlich 7216.50 – Eisen und nicht legierter Stahl in Rohformen, Halbzeug, Bleche, Walzdraht, Stabstahl, Profile
  • 7216.99 bis einschließlich 7301.30 – Draht, nichtrostender Stahl  in Rohformen, Halbzeug, Bleche, Walzdraht, Stabstahl, Profile
  • 7302.10 – Schienen
  • 7302.40 – bis einschließlich 7302.90 Laschen, Unterlagsplatten
  • 7304.10 bis einschließlich 7306.90 – Rohre und Hohlprofile, Andere Rohre


Baden-württembergische Unternehmen haben 2017 Waren aus diesen Gruppen im Wert von rund 125 Millionen Euro in die USA exportiert (Stahl-Waren für etwa 17 Millionen Euro und Aluminium-Waren für etwa 108 Millionen Euro).
Die 'Executive Orders' vom 22. März 2018, mit denen die Zölle eingeführt und begründet wurden, können Sie auf der Internetseite des Weißen Haus nachlesen (in englischer Sprache):


1.2 Ausweitung der Strafzölle auf Stahl- und Aluminium
Die USA haben die bestehenden Strafzölle auf Stahl und Aluminium auf Produkte ausgeweitet, die zu zwei Dritteln aus Stahl und Aluminium bestehen. Das gab das Weiße Haus am 24. Januar 2020 bekannt. Die neuen Strafzölle greifen seit 8. Februar 2020. Ausgenommen sind Ursprungswaren aus Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Mexiko und Südkorea.


HS-Codes Aluminium

  • aus Kapitel 7614 Litzen, Kabel, Seile aus Aluminium
  • aus Kapitel 8708 Stoßstangen und Karosserieteile (für Traktoren) aus Aluminium


HS-Codes Stahl

  • aus Kapitel 7317 Stifte, Nägel, Krampen, gewellte oder abgeschrägte Klammern aus Eisen oder Stahl
  • aus Kapitel 8708 Stoßstangen und Karosserieteile (für Traktoren) aus Stahl


Eine genaue Auflistung der betroffenen Waren findet sich in den Anhängen der Bekanntmachung. Lesen Sie Details zu der geplanten Regelung auf der Internetseite des Weißen Hauses und des Bureau of Industry and Security (in englischer Sprache):


1.3 Airbus-Streit: Strafzölle auf Käse, Kaffee, Werkzeuge und andere Waren aus der EU
Seit 18. Oktober 2019 erheben die USA Strafzölle in Höhe von 10 Prozent und 25 Prozent auf eine Vielzahl von Waren mit EU-Ursprung. Betroffen sind neben Flugzeugen eine Vielzahl von Lebensmitteln wie Käse, Joghurt, Kaffee, Oliven und Schweinefleischprodukte aber auch bestimmte Handwerkzeuge, Induktionsöfen, Bagger und Objektive.
Seit 18. März 2020 sind Änderungen bei diesen Strafzöllen in Kraft getreten. Die Strafzölle auf Flugzeuge werden von 10 auf 15 Prozent erhöht. Die Liste der betroffenen Waren hat sich ebenfalls geändert: Neu aufgenommen hat die US-Verwaltung Küchen- oder Metzgermesser (ex 8214). Von der Liste gestrichen wurde Pflaumensaft.
Eine Liste mit den betroffenen Waren, geordnet nach Zolltarifnummern hat die US-Administration veröffentlicht.


  • Bei den Zolltarifnummern, die in dieser Liste genannt sind, handelt es sich um US-amerikanische Nummern, die daher zum Teil von den EU-Zolltarifnummern abweichen können, auch wenn in der Regel die ersten sechs Stellen übereinstimmen. Wenn Sie also wissen wollen, ob Ihre Produkte betroffen sind, müssen Sie auf jeden Fall berücksichtigen, unter welcher Nummer Ihre Kunden in den USA Ihre Produkte zur Einfuhr abfertigen.
  • Die US-Verwaltung macht Strafzölle davon abhängig, in welchem EU-Mitgliedsstaat die Ware ihren Ursprung hat. So gilt der Zusatzzoll in Höhe von 25 Prozent auf bestimmte Werkzeuge nur für Werkzeuge mit deutschem Ursprung, während Käse aus einer Vielzahl von EU-Mitgliedsländern vom Strafzoll betroffen ist.


Die Liste der von Strafzöllen betroffenen Waren (25 Prozent für nicht flugzeugbezogene Güter) ändert sich.
Für:

  • 1905.31.00: Sweet biscuits


werden die Strafzölle auf Waren mit Ursprung DE (vormals Ursprung GB oder DE) eingegrenzt.
Produkte mit Ursprung DE oder FR werden neu aufgenommen:

  • 2007.99.05: Lingonberry and raspberry jams
  • 2007.99.10: Strawberry jam
  • 2007.99.15: Currant and other berry jams, nesoi
  • 2007.99.20: Apricot jam
  • 2007.99.25: Cherry jam
  • 2007.99.35: Peach jam
  • 2007.99.60: Strawberry pastes and purees, being cooked preparations


Bei einem weiteren Produkt gelten die Strafzölle auf Waren mit Ursprung DE (und AT, BE, BG, HR, CY, CZ, DK, EE, FI, HU, IE, IT, LV, LT, LU, MT, NL, PT, RO, SK, SI, ES, SW, UK) fort; lediglich Griechenland wurde von der Liste gestrichen:

  • 0406.90.99: Cheeses & subst. for cheese (incl. mixt.), nesoi*, w/o cows milk, w/butterfat over 0.5 percent by wt, not subject to GN15 (* "nesoi" bedeutet "not elsewhere specified or included").


Eine erneute Änderung der Liste wird für den 8. Februar 2021 erwartet (180 Tage).
Hintergrund ist der Streit zwischen der EU und den USA um die staatliche Subventionierung der Flugzeugindustrie. So wirft die USA der EU vor, Airbus zu unterstützen, wodurch ein Wettbewerbsvorteil für Airbus und ein entsprechender Nachteil für den us-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing entstünde. Die Welthandelsorganisation (World Trade Organisation WTO) hatte der USA am 2. Oktober 2019 Recht gegeben und damit den Weg für die Zusatzabgaben frei gemacht.
Anhängig ist noch ein spiegelbildliches Verfahren bei der WTO, bei dem es um unzulässige US-Subventionen für Boeing geht. Die WTO-Entscheidung darüber, in welcher Höhe die EU wiederum Zölle gegen die USA verhängen kann, wird Anfang 2020 erwartet. Die EU hatte seit Jahresanfang versucht, mit den USA in beiden Fällen eine Verhandlungslösung zu erreichen, um neue beiderseitige Zölle zu vermeiden. Da die USA dies bis zuletzt abgelehnt haben, gibt es in der EU nun Überlegungen, rasch mit Zöllen in Höhe von rund 4 Mrd. USD gegen die USA zu reagieren. Diese hatte die WTO der EU vor vielen Jahren zugestanden, die EU hat diese jedoch bisher nicht angewandt.


2. Die EU beschließt Ausgleichszölle
Auf die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium hat die Europäische Union (EU) mit Gegenzöllen auf traditionelle US-Waren reagiert. Darunter fallen Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder, Erdnussbutter sowie vereinzelt auch Stahlprodukte. Die Gegenzölle werden seit 22. Juni 2018 erhoben. Details dazu finden Sie in der Durchführungsverordnung (EU) 2018/886.
Als weitere Reaktion auf die von den USA verhängten Strafzölle auf Eisen-, Stahl- und Aluminiumerzeugnisse hat die EU am 19. Juli 2018 vorläufige Schutzmaßnahmen – Zollkontingente – betreffend die Einfuhr bestimmter Stahlerzeugnisse für zunächst 200 Tage eingeführt, um Handelsumlenkungen zu vermeiden sowie eine Schädigung von EU-Herstellern vorzubeugen. Am 2. Februar 2019 hat die EU mit der Durchführungsverordnung (EU) 2019/159 die endgültigen Maßnahmen eingeführt und bis Mitte 2021 verlängert. Den betroffenen Warenkreis können Sie Anhang I der Verordnung entnehmen.Sofern die vorgesehenen Zollkontingente ausgeschöpft sind, wird ein zusätzlicher Zollsatz von 25 Prozent erhoben.  


Als Antwort auf die seit 8. Februar 2020 geltende Ausweitung der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium, beschrieben unter 1.2, erhebt die EU Gegenzölle auf bestimmte Waren mit US-Ursprung. Seit 8. Mai 2020 sind US-Feuerzeuge mit 20 Prozent und US-Beschläge für Möbel und Karosserien mit sieben Prozent Zusatzzoll belegt. In einer zweiten Stufe treten ab 8. Februar 2023 zusätzliche Zölle in Höhe von 4,4 Prozent auf US-Spielkarten in Kraft. Die Maßnahmen sind festgelegt in der Durchführungsverordnung (EU) 2020/502. Die von den USA ergriffenen Schutzmaßnahmen stehen nach Ansicht der EU nicht im Einklang mit den Regeln der WTO (World Trade Organisation), weshalb angemessene Gegenmaßnahmen erlaubt seien. Die EU-Kommission versucht weiterhin eine Verhandlungslösung mit den USA zu erreichen – bislang erfolglos.


3. USA und China
Seit dem Jahr 2018 haben sich die USA und China gegenseitig mit Strafzöllen überzogen. Die USA werfen China (ähnlich wie der EU) unfaire Handelspraktiken vor. So beruft sich US-Präsident Donald Trump auf das klaffende Handelsdefizit mit China. Bei einem Handelsdefizit übersteigen die Warenimporte eines Landes die Warenexporte. Der Vorwurf des Diebstahls geistigen Eigentums steht ebenfalls im Raum. Im Januar 2020 unterzeichneten die USA und China ein erstes Teilabkommen (agreement on a phase one trade deal), das unter anderem die Einführung weiterer Strafzölle verhindern soll.
Viele deutsche Unternehmen haben Niederlassungen in beiden Ländern und sind daher von Sonderzöllen der EU sowie China doppelt betroffen. Im Folgenden finden Sie die entsprechenden Maßnahmen und betroffenen Güter.


3.1 USA gegenüber China
Die Untersuchungen und Maßnahmen der USA gen China basieren auf Abschnitt 301 des US-Rechts. Alle beschlossenen Maßnahmen, die Höhe der Strafzölle und die betroffenen Waren sind auf der Seite des US-Handelsbeauftragen zusammengefasst. Ebenfalls dort befindet sich eine Suchfunktion: anhand der achtstelligen Warennummer können Sie herausfinden, ob Ihre Ware von Maßnahmen der USA betroffen ist. Bitte beachten: es geht hier um die Warennummer des US-Tarifs, diese kann ab der sechsten Stelle von der in der EU verwendeten Warennummer abweichen. Wir haben die Suchfunktion hier für Sie hinterlegt.


Einzelne Maßnahmen chronologisch
Folgende Maßnahmen der USA zielen auf China:

  • US-Antidumpingzölle auf Waschmaschinen und Solarpanele
    Seit 22. Januar 2018, weltweit, 8 Milliarden US-Dollar Solarpanelimporte 2017, 425 Millionen US-Dollar Waschmaschinenimporte aus China 2017
  • „China-Listen”
    Importzölle von zusätzlich 25 Prozent auf verschiedene Produkte chinesischen Ursprungs als Ausgleich von Verstößen gegen geistige Eigentumsrechte und erzwungenem Technologietransfer in zwei Schritten:
    Liste 1 mit einer detaillierten Auflistung der betroffenen, chinesischen Güter (im Wert von 34 Milliarden US-Dollar seit 06. Juli 2018) sowie
    Liste 2 mit chinesischen Gütern (im Wert von 16 Milliarden US-Dollar seit 23. August 2018). Seit 25. März 2019: Die beiden Listen sind nach wie vor gültig, jedoch bestehen einige Ausnahmen. Ausgenommen von den 25 Prozent Zusatzzoll sind 33 Produkte aus der ersten Liste, speziell aus den Kapiteln 84, 85, 86 und 90 des US-Zolltarifs (siehe Annex). Für diese Produkte konnten US-Unternehmen im vergangenen Jahr Ausnahmen beantragen. Schauen Sie nach, ob die zehnstellige Unterpositionsnummer bei den Ausnahmen auftaucht.
  • Weitere Zusatzzölle auf Waren chinesischen Ursprungs (Liste 3)
    Seit 10. Mai 2019: Zusatzzölle auf chinesische Ursprungswaren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar in Höhe von 25 Prozent. Davon sind 5.745 Tariflinien oder, anderst ausgedrückt, die Hälfte aller chinesischen Exporte in die USA betroffen.
  • Weitere Zusatzzölle auf Waren chinesischen Ursprungs (Liste 4, Annex A und C)
    Seit 1. September 2019 (Annex A) bzw. 15. Dezember 2019 (Annex C) galten Zusatzzölle auf chinesische Ursprungswaren in Höhe von 15 Prozent. Liste der betroffenen Produkte (proposed list 4)
    Seit 14. Februar 2020: Senkung der Zusatzzölle auf Waren der Liste 4, Annex A von 15 Prozent auf 7,5 Prozent.


3.2 China gegenüber USA
Folgende (Gegen-)Maßnahmen Chinas zielen auf die USA:

  • Vergeltungszölle auf US-Importe im Wert von 50 Milliarden US-Dollar (42,7 Milliarden Euro)
    Seit 6. Juli 2018 greifen zusätzliche Zölle von 25 Prozent auf 545 US-Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar. Seit dem 23. August 2018 gelten 25 Prozent Zusatzzoll auf weitere 333 US-Waren im Wert von 16 Milliarden US-Dollar. Die Warenlisten sind in Chinesisch. 
    In der Veröffentlichung des chinesische Wirtschaftsministerium vom 16. Juni 2018 finden Sie die Listen.

31. März 2019: Die Sonderzölle auf landwirtschaftliche Waren (25 Prozent auf 545 US-Waren), die seit 6. Juli 2018 in Kraft waren, werden ausgesetzt.

China senkt seit 1. Januar 2019 die auf 144 KFZ bzw. -teile bestehenden Einfuhrzölle von 40 auf 15 Prozent. Diese Vereinbarung wurde im Rahmen des G20-Gipfels Anfang Dezember 2018 in Buenos Aires getroffen und gilt weiterhin.

  • Sonderzölle auf bestimmte Waren us-amerikanischen Ursprungs
    Seit 24. September 2018 gelten die bereits am 3. August 2018 angekündigten Sonderzölle auf 5.207 Waren mit US-Ursprung. Es geht dabei um Sonderzollsätze von fünf bis 25 Prozent.
  • Weitere Sonderzölle auf Waren us-amerikanischen Ursprungs
    Als Reaktion auf die von den USA mit Wirkung 10. Mai verhängten Zusatzzölle von 25 Prozent auf chinesische Ursprungsware verhängt China seinerseits mit Wirkung 1. Juni 2019 Zusatzzölle auf 5.140 Waren US-Ursprungs. Waren im Wert von insgesamt 60 Milliarden US-Dollar sind betroffen. Die Zusatzzölle reichen von fünf bis 25 Prozent.
  • Weitere Sonderzölle auf Waren us-amerikanischen Ursprungs
    Seit 1. September 2019 gelten weitere Sonderzölle zwischen fünf und zehn Prozent.

Aktuelle Meldungen lassen sich auf der Seite des Chinesischen Handelsministeriums (MOFCOM) recherchieren oder auf der Seite des Office of the U.S. Trade Representative.


Befreiung von Sonderzölle für bestimmte Waren mit Ursprung USA:
China verzichtet auf Strafzölle für bestimmte Waren mit Ursprung USA. Der Verzicht ist auf ein Jahr befristet. Unternehmen mit Sitz in der VR-China können ab dem 2.März 2020 einen Antrag auf Befreiung von Strafzöllen stellen. Der Antrag ist online auf einer Sonderseite des chinesischen Finanzministeriums zu stellen.
Für folgende Waren kann eine Befreiung beantragt werden: Bestimmte Agrarwaren, darunter Fleisch von Rindern und Schweinen, Krebstiere, Milchpulver, Pistazien, Orangen und Tafeltrauben, Weizen, Mais und Sorghum, Sojabohnen und Sojaöl, Kindernahrung, Lebensmittelzubereitungen, Fleisch- und Fischmehl sowie Tabak. Im gewerblichen Bereich Eisen-, Kupfer, Blei- und Silbererz, Kohle, Öl und Gas, Chemikalien und chemische Erzeugnisse, Röntgenfilme, Kunststoffe und Kautschuk sowie Waren daraus, Holz, bestimmte Papiere, Silber und Gold, Schmuckwaren, Eisen und Stahl sowie Waren daraus, Waren des Maschinenbaus und der Elektrotechnik, optische und medizintechnische Waren, Messinstrumente sowie bestimmte Leuchten.
Details ergeben sich aus der Tabelle im Anhang zur Ankündigung Nr. 2 der Zolltarifkommission des chinesischen Staatsrates vom 17.2.2020 (nur Chinesisch).


4. USA und Frankreich
Die US-Regierung reagiert auf die von Frankreich seit dem Sommer 2019 erhobene Digitalsteuer.
Am 2. Dezember 2019 hat der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer einen Vorschlag für zusätzliche Zölle von bis zu 100 Prozent auf Produkte mit Ursprung in Frankreich veröffentlicht. Betroffen sind Produkte der Kapitel 4, 22, 33, 34, 42, 69 und 73 des Zolltarifs. Die Liste der Produkte finden Sie im Anhang zu dem Vorschlag. Der Vorschlag ist die Reaktion auf die in Frankreich seit dem Sommer 2019 geltende Digitalsteuer von 3 Prozent auf bestimmte digitale Dienstleistungen international tätiger Internet-Konzerne.
Eine Untersuchung gemäß Abschnitt 301 des „Trade Act of 1974“ sowie eine öffentliche Anhörung waren vorausgegangen. Die Regelungen des Abschnittes 301 finden Anwendung, wenn der US-Handelsbeauftragte entscheidet, dass Handlungen oder Handelspraktiken ausländischer Staaten den Handel der USA mit anderen Staaten belasten oder beschränken. Das Untersuchungsverfahren hatte ergeben, dass die Digitalsteuer sich für US-Internetkonzerne diskriminierend und belastend auswirkt, insbesondere weil sie rückwirkend erhoben wird.
Quelle: GTAI


5. USA und Türkei
Auch zwischen der USA und Türkei gibt es Spannungen. Ausgangspunkt sind die – laut USA – zu hohen Importzahlen türkischer Stahlexporte und die damit einhergehende Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA.


5.1 USA gegenüber Türkei
Folgende Maßnahmen der USA zielen auf die Türkei (Proklamation am 10. August 2018 ):
Erhöhung der Zusatzzölle von ursprünglich 25 auf 50 Prozent der Stahlimporte türkischen Ursprungs
Seit 13. August 2018 gilt die Maßnahme. Es handelt sich insbesondere um HS-Positionen 7206 bis 7229 und 7301, 7302, 7304 bis 7306. Diese ist im Chapter 99, Subchapter II (Seiten 113, 114, 143 des PDFs) eingearbeitet. Diese Maßnahme wurde mit Wirkung vom 21. Mai 2019 wieder auf das Ausgangsniveau von 25 Prozent heruntergeschraubt.

5.2 Türkei gegenüber USA
Folgende Maßnahmen der Türkei zielen auf die USA (Präsidialerlass Nr. 21, veröffentlicht im Türkischen Amtsblatt vom 14.8.2018):
Verdoppelung der bereits seit 21. Juni 2018 bestehenden Zusatzzölle auf Warenimporte us-amerikanischen Ursprungs
Seit 15. August 2018 gilt die Maßnahme für folgende Produkte: Nüsse und Schalenfrüchte (20 Prozent), Reis (50 Prozent), bestimmte Lebensmittelzubereitungen (20 Prozent), Alkoholika (140 Prozent), Rohtabak (60 Prozent), Steinkohle (13,7 Prozent), Koks (10 Prozent) und Petrolkoks (4 Prozent), Schminkmittel (69 Prozent), PVC (50 Prozent) und Polyamid (10 Prozent) in Rohformen, Waren aus Kunststoffen (60 Prozent), Brennholz (10 Prozent), Roh- und Kraftpapier (20 Prozent), bestrichene Papiere (50 Prozent), bestimmte Textilfasern (60 Prozent), bestimmte Stahlteile (60 Prozent), Pumpen (20 Prozent) und Maschinen (20 Prozent), Pkw (120 Prozent) und bestimmte Röntgengeräte (10 Prozent).
Quellen: DIHK, GTAI, Ministry of Commerce People's Republic of China, Office of the U.S. Trade Representative


6. Wer trägt die zusätzlichen Zölle?
Bei internationalen, aber auch nationalen Handelsgeschäften spielen die sogenannten Incoterms eine wichtige Rolle. Die Incoterms sind weltweit anerkannte, einheitliche Vertrags- und Lieferbedingungen, die den Parteien eines Kaufvertrages eine standardisierte Abwicklung ermöglichen. Sie haben die Aufgabe, die Kostenverteilung, die Risikoverteilung und die Sorgfaltspflichten zwischen den Vertragspartnern festzulegen. Die Incoterms regeln unter anderem auch wer (Käufer oder Verkäufer) die (Straf-)Zölle, Steuern und andere Abgaben sowie die bei der Ausfuhr fälligen Kosten der Zollformalitäten trägt. Es gibt derzeit elf verschiedene Incoterms® 2020-Klauseln.


7. Ausblick Zollstreit
Im Rahmen der sogenannten „Investigation Section 301” werfen die USA der chinesischen Regierung unfaire Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums vor. Es steht die Überlegung im Raum, weitere Schutzzölle von bis zu 25 Prozent auf alle Waren mit Ursprung China mit einem jährlichen Handelsvolumen von etwa 300 Milliarden US-Dollar zu erheben. Mit der Unterzeichnung eines ersten Übereinkommens zwischen den USA und der Volksrepublik China im Januar 2020 haben die Handelspartner jedoch die Absicht bekundet, keine weiteren Strafzölle zu erheben.

Ihr Ansprechpartner
Dalila Nadi
Dalila NadiReferentin Außenwirtschaft
Tel.: 07131 9677-121dalila.nadi@heilbronn.ihk.de
Slim Derouiche
Slim DerouicheReferent Außenwirtschaft
Tel.: 07131 9677-137slim.derouiche@heilbronn.ihk.de
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