15.01.2021

Übersicht zu Finanzierungshilfen für Unternehmen

Die Corona-Krise hat die regionale Wirtschaft in starkem Maße getroffen. Bund und Land unterstützen deshalb mit verschiedenen Maßnahmen und Programmen die Unternehmen bei der Bewältigung der Auswirkungen.

1. Finanzielle Hilfen der KfW

Das Bundesförderinstitut KfW versorgt die Unternehmen mit Liquidität. Die KfW nutzt dazu bestehende Förderprogramme. Die Antragstellung muss über ein Kreditinstitut (Hausbank) erfolgen. Der KfW-Schnellkredit richtet sich an Unternehmen, die eine rasche finanzielle Hilfe benötigen. Der Kredit wird zu 100 Prozent durch eine Garantie des Bundes abgesichert. 
Das KfW-Sonderprogramm 2020 steht sowohl kleinen, mittelständischen Unternehmen als auch Großunternehmen zur Verfügung. Niedrige Zinssätze und eine vereinfachte Risikoprüfung der KfW bei Krediten bis zu 3 Mio. Euro schaffen weitere Erleichterung für die Wirtschaft. Eine Haftungsfreistellung durch die KfW von bis zu 90 Prozent erleichtert Banken und Sparkassen die Kreditvergabe. Das KfW-Sonderprogramm wird über den KfW-Unternehmerkredit und den ERP-Gründerkredit - Universell umgesetzt. 

2. Unterstützung von L-Bank und Bürgschaftsbank

Zur Deckung von kurzfristigem Liquiditätsbedarf stehen der Liquiditätskredit bzw. die Programmvariante Liquiditätskredit Plus sowie weitere Finanzierungsangebote der L-Bank Baden-Württemberg zur Verfügung. Diese Förderkredite müssen bei einem Kreditinstitut beantragt werden. Der "Liquiditätskredit Plus" der L-Bank bietet neben dem Förderdarlehen ergänzende Hilfe mit einem Tilgungszuschuss. 
Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg kann Bürgschaften bis zu einer Höhe von 2,5 Millionen Euro übernehmen (für darüber hinaus gehende Bürgschaftsbeträge ist die L-Bank zuständig). Bürgschaften der Bürgschaftsbank können bis 80 Prozent des Kreditrisikos abdecken und müssen über ein Kreditinstitut beantragt werden. Für corona-bedingte Kredite (sowohl Förderdarlehen der L-Bank als auch Hausbankkredite) bis zu einer Höhe von 250.000 Euro kann die Bürgschaftsbank bis 90 Prozent des Kreditbetrags übernehmen. Über das Finanzierungsportal "ermoeglicher.de" der deutschen Bürgschaftsbanken können Unternehmer Bürgschaftsanfragen für ihr Finanzierungsvorhaben auf digitalem Weg stellen und erhalten eine schnelle Ersteinschätzung durch die Bürgschaftsbank zur Machbarkeit des Vorhabens.
Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten können Sofortbürgschaften der Bürgschaftsbank beantragen. Dies ist auf zwei Wegen möglich: Über das Finanzierungsportal ermoeglicher.de können Unternehmen bei positiver Prüfung eine elektronische Vorabzusage für eine Sofortbürgschaft in Höhe von 90 Prozent für einen Kredit bis zu 250.000 Euro erhalten. Eine Erhöhung auf 100 Prozent ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Daneben ist der Antragsweg über das klassische Hausbankverfahren möglich. Hier beantragt die Hausbank eine Bürgschaft in Höhe von 90 Prozent für ein Darlehen bis zu 125.000 Euro. Für eine spätere weitere Finanzierung (bis max. 125.000 Euro) kann sie auf Wunsch eine Bürgschaft in Höhe von 100 Prozent erhalten.

3. Überbrückungshilfe Corona des Bundes

Die Überbrückungshilfe Corona bietet finanzielle Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbständige, die durch die Corona-Krise Umsatzrückgänge zu verzeichnen haben. 
Anträge für die Überbrückungshilfe II können auf der Antragsplattform des Bundes gestellt werden. Die Überbrückungshilfe II umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020. Die Antragsfrist endet am 31. März 2021. Anträge können nur über einen prüfenden Dritten (Steuerberater und Steuerberaterinnen, Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüferinnen, vereidigte Buchprüfer und vereidigte Buchprüferinnen oder Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen) gestellt werden.
Antragsberechtigt sind kleine und mittelständische Unternehmen mit entweder einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 % in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten oder einem Umsatzeinbruch von mindestens 30 % im Durchschnitt in den Monaten April bis August 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Überbrückungshilfe besteht aus einem nicht rückzahlbaren Zuschuss und erstattet einen Anteil in Höhe von 90 % der Fixkosten bei mehr als 70 % Umsatzeinbruch, 60 % der Fixkosten bei Umsatzeinbruch zwischen 50 % und 70 %, 40 % der Fixkosten bei Umsatzeinbruch von mehr als 30 % und unter 50 % im jeweiligen Fördermonat im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zuschüsse sind bis zu 50.000 Euro monatlich möglich. Die ergänzende Förderung des Landes durch einen fiktiven Unternehmerlohn wird fortgesetzt.
Die Überbrückungshilfe II kann bis zum 31. März 2021 beantragt werden. Sie wird als Überbrückungshilfe III bis Ende Juni 2021 verlängert und in verbesserter Form fortgeführt.

4. Außerordentliche Wirtschaftshilfe - Novemberhilfe und Dezemberhilfe

Die Unterstützung im Rahmen der Novemberhilfe/Dezemberhilfe hilft stark betroffenen Unternehmen und Selbstständigen, die von den temporären Schließungen direkt, indirekt oder mittelbar betroffen sind. Direkt Betroffene im November sind Unternehmen und Soloselbständige, die auf Grundlage des Beschlusses von Bund und Ländern vom 28. Oktober 2020 den Geschäftsbetrieb einstellen mussten. Direkt Betroffene im Dezember sind Unternehmen und Soloselbständige, die aufgrund der auf Grundlage des Beschlusses von Bund und Ländern vom 28. Oktober 2020 erlassenen Schließungsverordnungen der Länder den Geschäftsbetrieb bereits im November einstellen mussten und auf Grundlage der Beschlüsse von Bund und Ländern vom 25. November 2020 und vom 2. Dezember 2020 auch im Dezember noch von diesen Schließungen betroffen waren. 
Indirekt Betroffene sind Unternehmen und Soloselbständige, die nachweislich und regelmäßig mindestens 80 Prozent ihrer Umsätze mit direkt von den oben genannten Maßnahmen betroffenen Unternehmen erzielen. Über Dritte Betroffene sind Unternehmen und Soloselbständige, die regelmäßig mindestens 80 Prozent ihrer Umsätze durch Lieferungen und Leistungen im Auftrag direkt von den Maßnahmen betroffener Unternehmen über Dritte erzielen. Direkt und indirekt Betroffene erhalten für den Zeitraum der Schließungen Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des Vergleichsumsatzes aus dem Jahr 2019 anteilig für die Anzahl an Tagen der Schließung im November bzw. Dezember 2020.
Die Antragstellung erfolgt über die Plattform der Überbrückungshilfe. Anträge für Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe können bis zum 30. April 2021 gestellt werden. Die Antragstellung erfolgt im Regelfall durch prüfende Dritte ( u. a. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer). Soloselbstständige, die bisher keine Überbrückungshilfe beantragt haben, sind bis zu einem Förderhöchstsatz von 5.000 Euro direkt antragsberechtigt.

5. Tilgungszuschuss Corona

Unternehmen und Selbständige aus den Wirtschaftsbereichen der Schausteller und Marktkaufleute, der Veranstaltungs- und Eventbranche sowie des Taxi- und Mietwagengewerbes können den „Tilgungszuschuss Corona“ des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg beantragen. Mit dem Tilgungszuschuss wird einmalig die Hälfte der Jahrestilgungsrate 2020 des antragstellenden Unternehmens mit einem Satz von 80 Prozent (das heißt: 40 Prozent der Jahrestilgungsrate) gefördert. Förderfähig sind dabei die nach den Regeltilgungsplänen im Jahr 2020 anfallenden Tilgungsraten für Investitionen und Betriebsmittel frühestens ab Bewilligung von Krediten. Das dem Kreditvertrag zugrunde liegende Realgeschäft muss vor dem 11. März 2020 erfolgt sein.
Die Förderung kann nur für ab dem 1. Januar 2020 zu leistende Tilgungsverpflichtungen gewährt werden. Die maximale Förderung mit dem Tilgungszuschuss beträgt 150.000 Euro je Antragsteller – soweit sich im Einzelfall kein geringerer Höchstbetrag aus beihilferechtlicher Sicht ergibt. Anträge können bis zum 24. Februar 2021 gestellt werden.