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Unternehmen, Energie & Umwelt
DOKUMENTNUMMER: NLS000346

10. Heilbronner Vermittlertag | Nachlese vom 13. Juli 2017

UEU - Heilbronner Vermittlertag - AKTUELLES | TERMINE

Am 13. Juli 2017 fand der 10. Heilbronner Vermittlertag im Haus der Wirtschaft statt. Stefan Gölz, Mitglied der Geschäftsleitung der IHK Heilbronn- Franken und Wolfgang Huber, 1. Vorsitzender des BVK-Bezirksverbands Heilbronn eröffneten die Veranstaltung und stimmten die Teilnehmer auf die anstehenden Themen und Referenten ein.

Cybercrime – „Der beste Virenschutz sitzt vor dem Computer“
Jochen Krieg vom Polizeipräsidium Heilbronn und Karlheinz Buchzik, Geschäftsführer der eurosec GmbH, gaben einen Einblick in die aktuellen Sicherheitsrisiken für die Unternehmen. Die Polizei verzeichnet im Bereich Cyber-Kriminalität unterschiedliche Bedrohungslagen, z.B. Phishing- und Spamangriffe gegen beliebige Opfer, Spear-Phishing oder Social Engineering bei gezielten Angriffen gegen bestimmte Personen oder auch gezielte Massenangriffe wegen spezieller Begebenheiten, z.B. bei einer Bewerbung auf eine tatsächlich ausgeschriebene Stelle. Jochen Krieg ging beispielhaft auf einige Bedrohungsszenarien ein und informierte über Präventionsmöglichkeiten. Sein Fazit: „Grundsätzlich darf der Faktor Mensch nicht unterschätzt werden. Der beste Virenschutz sitzt vor dem Computer.“ Karlheinz Buchzik hob hervor, dass das Sicherheitsbewusstsein in den Unternehmen trotz gestiegener Gefahren durch Globalisierung, CyberCrime, Konkurrenz- und Wirtschaftsspionage und trotz steigendem Digitalisierungsgrad mit dieser Entwicklung nicht Schritt halte und teilweise sogar rückläufig sei. Sicherheit müsse aber Chefsache sein und jedes Unternehmen – unabhängig von der Größe – sollte ein Sicherheitskonzept vorhalten. Nicht selten finde er „offene Unternehmen“ ohne ausreichende Zugangskontrolle oder andere Sicherheitslücken vor, die zu Einbruch, Diebstahl oder auch einem Gebäudebrand führen können. Buchzik gibt zu bedenken: „Was damals ein Heer von Zeichnern am Zeichenbrett produzierte und kaum unbemerkt außer Haus getragen werden konnte, wird heute am CAD Arbeitsplatz erstellt, passt auf kleinste Speicherträger und kann per E-mail versandt oder von Hackern heruntergeladen werden.“ 93 % aller erzeugten Informationen würden heutzutage digital erzeugt, verarbeitet und gespeichert, Tendenz steigend. Dies begünstige die Zunahme der Kriminalität im Bereich IT und Kommunikation. Illegales Ausspähen von Daten und Computerbetrug gehörten inzwischen zum Alltag. Buchzik weist darauf hin, dass in vielen Betrieben noch nicht realisiert wurde, welche Gefahren in modernen IT-Strukturen und in der Miniaturisierung der Elektronik stecken. So passten bereits auf einen USB-Stick mit 1 GB der Informationsinhalt von über 347 Aktenordnern! Besorgniserregend sei auch, dass laut empirischer Untersuchungen die eigenen Mitarbeiter für mehr als 60% der Schäden in Unternehmen verantwortlich sind und bereits jeder dritte Angestellte schon einmal vertrauliche Unternehmensdaten illegitim transferiert habe. 

Cyberrisiken - Deckungskonzepte der Versicherungswirtschaft
Welche Lösungen die Assekuranz für diese aktuellen Bedrohungen bereit hält, wurde im Anschluss in einer Podiumsrunde mit Thomas Gebhardt, Vorstandsvorsitzender der Waldenburger Versicherung AG, Andreas Krause, Head of Distribution North Europe und Deputy General Manager DACH der AIG und Marc Hinrichsen, Geschäftsführer der Hans John Versicherungsmakler GmbH, moderiert von Dr. Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen, hinterfragt.

Auf dem deutschen Versicherungsmarkt gibt es bereits verschiedene Deckungskonzepte in diesem Bereich. Unterstützung leistet auch der GDV mit unverbindlichen Musterbedingungen für die Cyberversicherung. Damit soll Versicherern die Entwicklung eigener Angebote erleichtert werden. Für Unternehmenskunden und Versicherungsmakler sind sie gleichzeitig ein Vergleichsmaßstab, um Versicherungsangebote zu bewerten. Andreas Krause sieht dieses neue Geschäftsfeld noch in den Anfängen. Die AIG habe bereits Schäden abgewickelt und beobachte in den letzten 18 Monaten eine starke Entwicklung in dem Geschäftsbereich. Kunden dieser Spezialdeckungen sind laut Krause bislang auffallend viele Vermittler. Dabei habe man auch die Erfahrung gemacht, dass bis zum Abschluss entsprechender Cyber-Policen in der Regel mehr als ein Jahr vergehe. Inhaltlich stehe bei diesen Policen besondere Dienstleistungen wie z.B. IT-Forensik oder Krisenkommunikation im Vordergrund. Ziel sei es, zunächst alle Auswirkungen einer Cyber-Attacke zu ermitteln und wenn möglich gegenzusteuern, damit es zu einem Schaden erst gar nicht kommen kann. Ob sich die Cyber-Versicherungen zur größten Sachsparte entwickeln werden, ist für Krause nicht vorhersehbar. Die Vermittler müssten in der Beratung und Produktauswahl im Gewerbesegment generell weg von den Sparten hin zu einer Multiline-Lösung umdenken, so Krause weiter. Dem stehe jedoch die Komplexität entgegen, da die Kunden nicht alle einem Cluster zuordenbar seien. Auch die Waldenburger Versicherung AG favorisiert Multi-Risk-Policen. Jedoch biete man weiterhin auch Einzelpolicen an, weil dies nach wie vor von vielen Versicherungsmaklern nachgefragt werde, die die Risiken nicht nur bei einem Sachversicherer platzieren wollen, erklärt Thomas Gebhardt. Seiner Ansicht nach müssten Vermittler immer stärker in die Beratungsleistung zur Schadensprävention gehen und dahingehende Kompetenzen durch Weiterbildung aufbauen. Andererseits sollte den Cyberrisiken auch in den Vermittlerbetrieben mehr Beachtung geschenkt und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Marc Hinrichsen empfiehlt den Vermittlern, bei der Anbieter- und Produktauswahl im Bereich Cyber-Versicherungen sorgfältig vorzugehen und die eigenen Haftungsrisiken im Blick zu behalten. Cyber- und Haftungsrisiken im eigenen Vermittlerbetrieb sollten auf Spezialisten ausgelagert werden, so Hinrichsen weiter. Es gäbe entsprechende Angebote am Markt, auch für Vermittler.

Künftig alles digital? - Entwicklung im Gewerbegeschäft
Dass es künftig nur noch Online-Gewerbeversicherungen geben wird, hält Thomas Gebhardt für unwahrscheinlich. Vielmehr sieht er die Entwicklung vergleichbar dem privaten Bereich. So könne man bereits heute eine private Haftpflichtversicherung online abschließen. Die zahlreichen Online-Plattformen böten umfangreiche Informationen zu diesen Themen, allerdings helfen diese Plattformen bei Detailfragen nur bedingt weiter. Vermittlern als Spezialisten und Berater komme auch künftig eine wichtige Rolle zu, so Gebhardt. Dies gelte insbesondere für das gewerbliche Versicherungsgeschäft. Marc Hinrichsen ergänzt, dass in seinem Haus bereits 90% des eigenen Geschäfts digital abgewickelt werden. Natürlich sei auch hierbei eine Beratung erforderlich, die aber in der Regel telefonisch erfolgt. Der Abschluss werde überwiegend online durchgeführt. Ziel sei eine Verschlankung der Prozesse.  

Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD)
Regierungsdirektor Thomas Ernst vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) berichtete über das Gesetzgebungsverfahren zur Umsetzung der IDD. Ein Provisionsgebot, Honorarannahmeverbot oder Verbot von Vergütungsmischmodellen müssen Versicherungsmakler nach der final verabschiedeten Gesetzfassung nicht mehr befürchten. Änderungen ergeben sich jedoch für das künftige Berufsbild des Versicherberaters, der nun auch vermitteln darf. Neu ist auch die jährliche Weiterbildungsverpflichtung für Vermittler. Details hierzu müssten allerdings noch in der Versicherungsvermittlungsverordnung geregelt werden und es sei nicht sicher, ob dies noch in 2017 gelingen werde. Im anschließenden Podium mit Ulrich Zander, Vizepräsident im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e. V. (BVK) und Dr. Marc Surminski führte Ernst zu seinen Vorstellungen zur künftigen Weiterbildungsverpflichtung aus, dass er ein offenes - anbieterunabhängiges – System bevorzuge. Hierzu fänden aber noch Abstimmungen mit den Verbänden und der Verbraucherseite statt. Fraglich sei, ob Produktschulungen künftig anerkannt werden können. Zander verweist auf die Notwendigkeit der produktseitigen Weiterbildung, da sonst der Kunde nicht richtig beraten werden könne. Kritisch hinterfragt wurde das neue Vermittlungsmodell für Versicherungsberater, insbesondere die hierzu ergangenen komplexen Regelungen für die Versicherer. Ulrich Zander erwartet hierdurch keine Zunahme der Versicherungsberater im deutschen Markt.

Absicherung des Vermittlerbetriebes
Im dritten Teil der Veranstaltung referierte Haftpflichtexperte Marc Hinrichsen über die notwendige Risikovorsorge im Vermittlerbetrieb und die Entwicklungen im Bereich der Vermögensschadenhaftpflicht. Thomas Öchsner, Geschäftsführer der Resultate Institut für Unternehmensanalysen und Bewertungsverfahren GmbH informierte abschließend zu den wichtigen Themen Wertentwicklung, Absicherung und Unternehmensnachfolge.

Der 10. Heilbronner Vermittlertag fand in Kooperation mit dem Bezirksverband Heilbronn des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) e. V. statt. Wir danken allen Beteiligten für Ihre Unterstützung!

Weitere dazu passende Dokumente / Downloads1471949_infoblatt.pdfInfoblatt zur IDD (221 KB)
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