02.09.2021

Bundesprogramm Ausbildungsplätze sichern

Mit dem Bundesprogramm “Ausbildungsplätze sichern” sollen Ausbildungsbetriebe unterstützt werden, das Ausbildungsplatzangebot auch in der Corona-Pandemie aufrecht zu erhalten. Im Einzelnen sollen dazu Ausbildungskapazitäten erhalten und ausgebaut, Kurzarbeit für Auszubildende vermieden, die Auftrags- und Verbundausbildung gefördert und Anreize zur Übernahme im Falle einer Insolvenz geschaffen werden.

1. Aktualisierte Förderrichtlinie

Mit der im März bzw. April 2021 jeweils aktualisierten ersten Förderrichtlinie und zweiten Förderrichtlinie können ab sofort Ausbildungsbetriebe, die in besonderem Umfang von der Pandemie betroffen sind, auch einen Zuschuss zu den Kosten für externe Prüfungsvorbereitungslehrgänge ihrer Auszubildenden erhalten. Darüber hinaus wurden die Voraussetzungen für die Förderung der Auftrags- und Verbundausbildung vereinfacht und erweitert.

2. Wo kann ich einen Antrag stellen?  

Die Antragsstellung, Antragsbearbeitung, Beratung und Abwicklung läuft über die  Bundesagentur für Arbeit, für die Auftrags- und Verbundausbildung über die  Deutsche Rentenversicherung-Knappschaft-Bahn-See. Diese sind auch zuständig für die Bewilligung der Zuwendungen.
Antragsberechtigt sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die durch die COVID-19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind.
Kontakt
Den Arbeitgeber-Service erreichen Sie über das  Kontaktformular oder telefonisch unter  0800 4 555520 (gebührenfrei).
Bestätigung der IHK
Bei der Antragstellung nach der ersten Förderrichtlinie bei der  Agentur für Arbeit bzw. nach der zweiten Förderrichtlinie bei der Deutsche Rentenversicherung-Knappschaft-Bahn-See ist eine Bescheinigung der IHK einzureichen. 

3. Welche Maßnahmen sollen gefördert werden?

Das Hilfsprogramm für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) umfasst insgesamt 574 Millionen Euro für die Haushaltsjahre 2021 und 2022.Die Ausbildungsprämie soll dabei helfen, Ausbildungsplätze zu sichern, die durch die Corona-Pandemie bedroht sind.
Folgende Maßnahmen sollen gefördert werden:
  1. Ausbildungsprämie (Ausbildungsniveau erhalten): Ausbildende KMU, die ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zu den drei Vorjahren aufrechterhalten, werden mit einer Ausbildungsprämie gefördert. Sie erhalten für jeden ab dem 1. Juni 2021 beginnenden Ausbildungsvertrag einmalig 4.000 Euro (nach Abschluss der Probezeit).
  2. Ausbildungsprämie Plus (Ausbildungsniveau erhöhen): Ausbildende KMU, die ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zu den drei Vorjahren erhöhen, erhalten für jeden ab dem 1. Juni 2021 zusätzlich beginnenden, das Ausbildungsniveau erhöhenden Ausbildungsvertrag einmalig 6.000 Euro (nach Abschluss der Probezeit).
  3. Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit: KMU, die trotz erheblichen Arbeitsausfalls (mindestens 50 Prozent) ihre laufenden Ausbildungsaktivitäten fortsetzen, werden für jeden Monat, in dem dies der Fall ist, mit 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung und 50 Prozent der Brutto-Vergütung des Ausbilders (Bemessungsgrundlage ist das Bruttogehalt zzgl. 20 Prozent Pauschale, max. 4.000 Euro pro Monat) für bis zu 10 Auszubildende gefördert. Der Zuschuss zur Ausbildungsvergütung kann erstmals für August 2020, der Zuschuss zur Ausbildervergütung erstmals für März 2021 gewährt werden. Die Zuschüsse können für die Dauer der Kurzarbeit, letztmals für Dezember 2021 gewährt werden.
  4. Lockdown-II-Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen: Ausbildende Kleinstunternehmen mit bis zu vier Mitarbeitern, die ihre Geschäftstätigkeit ganz oder nahezu vollständig einstellen mussten, können für jeden Auszubildenden, für den sie die Ausbildung fortsetzen, einen einmaligen Sonderzuschuss in Höhe von 1.000 Euro erhalten.
  5. Auftrags- und Verbundausbildung: Wenn KMU die Ausbildung temporär nicht fortsetzen können, können andere KMU, Überbetriebliche Berufsbildungsstätten oder andere etablierte Ausbildungsdienstleister zeitlich befristet die Ausbildung übernehmen und dafür Förderung erhalten. Dies gilt, wenn der Geschäftsbetrieb des ursprünglich ausbildenden KMU vollständig oder zu wesentlichen Teilen pandemiebedingt von Schließungen oder erheblichen Auflagen betroffen ist, die eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs maßgeblich behindern. Auch der Stammausbildungsbetrieb kann gefördert werden, wenn er höchstens 499 Mitarbeiter hat. Die Förderung beträgt pro teilnehmendem Azubi und Woche 450 Euro, insgesamt höchstens 8.100 Euro. Auch externe Prüfungsvorbereitungslehrgänge können gefördert werden. Der Zuschuss beträgt 50 Prozent der Kosten, höchstens jedoch 500 Euro pro teilnehmendem Azubi.
  6. Übernahmeprämie: Die Übernahme von Auszubildenden, deren Ausbildung wegen pandemiebedingter Insolvenz des ursprünglichen Betriebes vorzeitig beendet worden ist, wird unabhängig von den Betriebsgrößen mit einer einmaligen Übernahmeprämie in Höhe von 6.000 Euro gefördert.

4. Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

  • Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Als Beschäftigtenzahl wird die Zahl der Mitarbeiter/-innen in Vollzeitäquivalenten zum Stichtag 29. Februar 2020 zugrunde gelegt. Bei Ausbildungsverbünden werden die Beschäftigten der einzelnen KMU zusammen berücksichtigt.
  • Für die Förderung kommen KMU in Betracht, die eine Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen oder in den bundes- und landesrechtlich geregelten praxisintegrierten Ausbildungen im Gesundheits- und Sozialwesen durchführen. Praktika sind ausgeschlossen. Es wird nur eine Prämie pro Ausbildung gezahlt.
  • Neben diesen Zuwendungen sind keine Förderungen mit gleicher Zielrichtung oder gleichem Inhalt aus anderen Programmen des Bundes oder der Länder möglich. Das KMU entscheidet, welche Förderung es in Anspruch nehmen will.
  • Hier finden Sie eine Einordnung, wenn Sie unsicher sind, ob Sie zu den KMU zählen. Bei der Bestimmung der Betriebsgröße sind sämtliche Beschäftigte des Unternehmens, dem der Betrieb angehört, und, falls das Unternehmen einem Konzern angehört, die Zahl der Beschäftigten des Konzerns, zu berücksichtigen. Hinweise zur Berechnung finden Sie in der ersten Förderrichtlinie unter 3.1.
Zu 1. und 2. Ausbildungsprämien (Ausbildungsangebot fortführen oder erhöhen)
Für ab dem 1. Juni 2021 beginnende Ausbildungsverhältnisse gilt:
Antragsberechtigt sind KMU bis zu 499 Mitarbeiter, die durch die COVID-19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind. Betroffen ist ein Ausbildungsbetrieb,
  • der seit Januar 2020 wenigstens für einen Zeitraum, der vor Ausbildungsbeginn liegt, Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit erhalten hat oder
  • dessen Umsatz seit April 2020 um durchschnittlich mindestens 50 Prozent in zwei oder 30 Prozent in fünf zusammenhängenden, vor dem Ausbildungsbeginn liegenden Monaten gegenüber dem jeweiligen Zeitraum im Jahr 2019 eingebrochen ist.
  • Bei einem Ausbildungsbetrieb, der nach April 2019 gegründet worden ist, kann in beiden Varianten alternativ der Durchschnitt des jeweiligen Zeitraums für 2020 mit dem Durchschnitt der Umsätze der Monate November und Dezember 2019 verglichen werden.
Die beiden Ausbildungsprämien können für Ausbildungsverhältnisse beantragt werden, die im Zeitraum vom 24. Juni 2020 bis 15. Februar 2022 begonnen haben. Ob der Ausbildungsvertrag vor oder nach dem 24. Juni 2020 abgeschlossen wurde oder wird, spielt keine Rolle, der Vertrag muss bei Antragstellung vorliegen. Die Ausbildungsprämie steht unter der Bedingung, dass das Ausbildungsverhältnis über die Probezeit hinaus fortbesteht.
Zu 3. Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit
Antragsberechtigt sind KMU mit bis zu 499 Mitarbeitern, die ihre Auszubildenden sowie deren Ausbilder trotz Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent im gesamten Betrieb, bedingt durch die COVID-19-Krise, nicht in Kurzarbeit bringen.
Zu 4. Lockdown-II-Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen
Antragsberechtigt sind ausschließlich Kleinstunternehmen mit bis zu vier Mitarbeitern.
Zu 5. Auftrags- und Verbundausbildung (AzubiSharing)
Antragsberechtigt sind ausbildende Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen, die Auszubildende aus anderen Unternehmen im Rahmen der Auftrags- oder Verbundausbildung für mindestens vier Wochen im eigenen Betrieb ausbilden und über die hierfür notwendige Ausbildungseignung verfügen, und ÜBS sowie andere etablierte Ausbildungsdienstleister, die Auszubildende im Rahmen der Auftrags- oder Verbundausbildung für mindestens vier Wochen ausbilden. Die Auftrags- oder Verbundausbildung muss zwischen Stammausbildungsbetrieb und Interims-Ausbildungsbetrieb vereinbart worden sein, weil der Stammausbildungsbetrieb die Ausbildung zeitweise pandemiebedingt nicht fortsetzen kann.
Zu 6. Übernahmeprämie
Antragsberechtigt sind ausbildende Unternehmen unabhängig von der Zahl ihrer Mitarbeiter, die Auszubildende aus pandemiebedingt insolventen Unternehmen bis zum 31. Dezember 2021 für die Dauer der restlichen Ausbildung übernommen haben oder übernehmen werden. Die Übernahmeprämie steht unter der Bedingung, dass das neu begründete Ausbildungsverhältnis über die Probezeit hinaus fortbesteht.

5. Welche Fristen müssen beachtet werden?

Zu 1. und 2. Ausbildungsprämien
Der Antrag ist spätestens drei Monate nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit des jeweiligen Ausbildungsverhältnisses zu stellen. Hinweis: Auch rückwirkend möglich – siehe unten.
Zu 3. Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit
Der Antrag auf Zuschuss ist rückwirkend für die Monate ab März 2021 für jeden Monat innerhalb einer Ausschlussfrist von drei Monaten ab dem letzten Tag des Monats, für den der Zuschuss beantragt wird, zu stellen.
Zu 4. Lockdown-II-Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen
Der Antrag ist spätestens bis zum 31. Juli 2021 zu stellen.
Zu 5. Auftrags- und Verbundausbildung
Die Auftrags- oder Verbundausbildung muss zwischen dem 24. Juni 2020 und dem 31. Dezember 2021 vereinbart werden und eine Dauer von mindestens vier Wochen haben. Die maximale Förderdauer beträgt 18 Wochen. Prüfungsvorbereitungslehrgänge müssen zwischen dem 18. März 2021 und dem 31. Dezember 2021 begonnen werden und abgeschlossen sein.
Anträge können bis zum 31. März 2022 gestellt werden.
Zu 6. Übernahmeprämie
Die Übernahmeprämie beträgt einmalig 6.000 Euro für jeden Ausbildungsvertrag und wird im Wege der Projektförderung als Festbetragsfinanzierung in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses gewährt (nicht rückzahlbarer Festbetrag). Die Übernahmeprämie wird nach erfolgreicher Beendigung der Probezeit ausgezahlt. Der Antrag ist spätestens drei Monate nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit des jeweiligen neu begründeten Ausbildungsverhältnisses zu stellen.

6. Wie lange gilt die Förderung?

Förderungen sollen für folgende Zeiträume möglich sein:
  • Zu 1. und 2. Ausbildungsprämien:  für das Ausbildungsjahr 2021/2022.
  • Zu 3. Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit: kann letztmals für Dezember 2021 beantragt werden.
  • Zu 4. Lockdown-II-Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen: Der Antrag ist spätestens bis zum 31. Juli 2021 zu stellen.
  • Zu 5. Auftrags- und Verbundausbildung: bis zum 31. Dezember 2022.
  • Zu 6. Übernahmeprämie: bis 31. Dezember 2022.
Wichtiger Hinweis zur Frist der Einreichung eines Antrags auf Zuschuss zur Vermeidung von Kurzarbeit aufgrund der neuen Förderrichtlinien vom 23. März 2021
Ist eine Förderung mit einem Zuschuss nur deshalb abgelehnt worden, weil die Anzeige der Fortsetzung der Berufsausbildung (zusammen mit der Anzeige der Kurzarbeit bei der zuständigen Agentur für Arbeit) in der bisher geltenden Fassung der Förderrichtlinie nicht oder nicht rechtzeitig erfolgt ist, ist für dasselbe Ausbildungsverhältnis eine neue Antragstellung innerhalb von drei Monaten ab dem 27. März 2021 zulässig.

7. FAQ zur Ausbildungsprämie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung