18.09.2020

Grundqualifikation und beschleunigte Grundqualifikation von Busfahrern

Fahrerinnen und Fahrer von Fahrzeugen mit mehr als acht Fahrgastplätzen im gewerblichen Personenverkehr (Bus) müssen eine besondere Qualifizierung nachweisen, um in diesen Bereichen selbstständig oder angestellt tätig sein zu dürfen. 
Ziel der Vorschrift ist eine Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie der Sicherheit der Fahrerinnen und Fahrer. Der Gesetzgeber erhofft sich durch die verpflichtende Qualifizierung die Entwicklung eines defensiven Fahrstils sowie eines rationellen Kraftstoffverbrauches. 

1. Pflicht zur Grundqualifikation

Alle Fahrer, die nach dem 10. September 2008 die Fahrerlaubnis der Klassen D1, D1E, D oder DE erwerben, müssen zusätzlich zur Führerscheinausbildung eine Grundqualifikation nachweisen, um Fahrten zu gewerblichen Zwecken durchführen zu dürfen.

2. Ausnahmen von der Qualifizierungspflicht

Eine Übersicht der streng geregelten Ausnahmen von der Qualifizierungspflicht sind im gesonderten Merkblatt „Ausnahmen vom BKrFQG“ zu finden.

3. Nachweis der Grundqualifikation

Der Nachweis der Grundqualifikation kann durch verschiedene Arten erfolgen:
3.1 Berufsausbildung
Erfolgreicher Abschluss einer Berufsausbildung zum Berufskraftfahrer oder zur Fachkraft im Fahrbetrieb oder vergleichbare Ausbildung.
Für gewerbliche Fahrten gilt folgendes Mindestalter:
Fahrerlaubnisklasse
Mindestalter 
D1, D1E
18 Jahre
D, DE im Linienverkehr bis 50 km
18 Jahre
D, DE
20 Jahre
Hinweis: Auszubildende, die im Rahmen ihrer Ausbildung zum/zur Berufskraftfahrer/in oder zur Fachkraft im Fahrbetrieb nach dem Stichtag 10. September 2008 eine entsprechende Fahrerlaubnis erwerben, dürfen das Kraftfahrzeug zu gewerblichen Zwecken im nationalen Verkehr führen. An die Stelle des Nachweises der maßgeblichen Grundqualifikation tritt eine Kopie des Ausbildungsvertrages. In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass innerhalb von drei Jahren nach Beginn der Ausbildung (gem. BBiG) die Mindestalterregelung nach § 2 BKrFQG keine Anwendung findet. Sofern die Ausbildungszeit allerdings verlängert werden müsste - z. B. bei Nichtbestehen der Prüfung - würde die Erlaubnis zum Führen des entsprechenden Fahrzeuges unterhalb der Altersgrenze entfallen. Die Vorgaben der Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (Fahrerlaubnis-Verordnung/FeV) im Hinblick auf das Mindestalter für den Erwerb der Fahrerlaubnis bleiben davon unberührt. 
Die Ausbildung zum/r Berufskraftfahrer/in ist gleichzeitig als Grundqualifikation für den Personen- und Güterverkehr anzuerkennen, so dass eine Umsteiger-Ausbildung und Prüfung nach § 3 BKrFQV nicht mehr erforderlich ist.
3.2 Grundqualifikation
Eine Prüfung bei der örtlich zuständigen IHK (Für Fahrer mit Wohnsitz in der Region Heilbronn-Franken ist die IHK Region Stuttgart für diese Prüfung zuständig).
Die Prüfung umfasst:
Eine theoretische Prüfung von 240 Minuten, bestehend aus 
  • Multiple-Choice-Fragen
  • Fragen mit direkter Antwort
  • Einer Erörterung von Praxissituationen
und eine praktische Prüfung von 210 Minuten, bestehend aus
  • Fahrprüfung – 120 Minuten
  • Praktischer Prüfungsteil – 30 Minuten
  • Prüfung kritischer Fahrsituationen – max. 60 Minuten
Für gewerbliche Fahrten gilt folgendes Mindestalter:
Fahrerlaubnisklasse
Mindestalter 
D1, D1E
21 Jahre
D, DE
21 Jahre
Zur Ablegung der Prüfung ist die Teilnahme an einem Vorbereitungsunterricht nicht vorgeschrieben. Eine Fahrerlaubnis ist zum Zeitpunkt der Prüfung ebenfalls nicht erforderlich.
3.3 Beschleunigte Grundqualifikation
Eine Prüfung bei der örtlich zuständigen IHK (Für Fahrer mit Wohnsitz in der Region Heilbronn-Franken ist die IHK Heilbronn-Franken für diese Prüfung zuständig).
Voraussetzung: Teilnahme an einer Schulung von 140 Stunden (je 60 Minuten) bei einer anerkannten Ausbildungsstätte.
Für gewerbliche Fahrten gilt folgendes Mindestalter:
Fahrerlaubnisklasse
Mindestalter
D1, D1E
21 Jahre
D, DE im Linienverkehr bis 50 km
21 Jahre
D, DE
23 Jahre
Hinweis: Die Prüfung zum Nachweis der Grundqualifikation bzw. der beschleunigten Grundqualifikation entsprechen nicht der Prüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf gemäß dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). 

4. Quereinsteiger

Inhaber einer Fachkundebescheinigung für den Straßenpersonenverkehr sind von der Teilnahme am Unterricht und der Prüfung insoweit befreit, als der Prüfungsgegenstand der Grundqualifikation bereits Gegenstand der Prüfung nach den Berufszugangsverordnungen ist. Die Unterrichtsdauer beträgt 96 Stunden zu je 60 Minuten, davon 10 Stunden Führen eines Kraftfahrzeugs der betreffenden Klasse.

5. Umsteiger

Fahrer und Fahrerinnen im Güterkraftverkehr, die ihre Tätigkeit auf den Personenverkehr ausweiten, oder Fahrer und Fahrerinnen im Personenverkehr, die ihre Tätigkeit auf den Güterkraftverkehr ausweiten oder ändern und die eine Grundqualifikation erworben haben, müssen bei der theoretischen und praktischen Prüfung nur diejenigen Teile ablegen, welche Kraftfahrzeuge betreffen, die Gegenstand der neuen Grundqualifikation sind. 
Bei Absolvierung der beschleunigten Grundqualifikation beträgt die Unterrichtsdauer für Umsteiger 35 Stunden zu je 60 Minuten, von denen 2,5 Stunden auf das Führen eines Kraftfahrzeugs der betreffenden Klassen entfallen müssen. Für die betroffenen Fahrer und Fahrerinnen beschränken sich darüber hinaus die theoretischen Prüfungen auf diejenigen Kenntnisbereiche, welche die Kraftfahrzeuge betreffen, die Gegenstand der neuen Grundqualifikation sind.

6. Prüfungsanmeldung

Mit unserem  Onlineformular können Sie sich zur Prüfung für die beschleunigte Grundqualifikation anmelden. 
Wenn Sie die Felder unter "Variantenauswahl" ausgefüllt haben und auf weiter klicken, finden Sie die nächsten Prüfungstermine für Ihre Auswahl und können sich direkt zur Prüfung anmelden. Bitte beachten Sie, dass die Anmeldung erst nach der Bestätigung des Links in der zugeschickten E-Mail verbindlich wird.

7. Dokumentation der Qualifikation

Die Grundqualifikation bzw. die Weiterbildung werden durch den Eintrag im Führerschein dokumentiert. Hierzu ist mit der Richtlinie 2003/59/EG der Gemeinschaftscode „95" eingeführt worden:
In Deutschland erfolgt hierzu eine Eintragung der Ziffer 95 in Verbindung mit einer Frist in der Spalte 12 der Fahrerlaubnis (Beispiel: 95.01.01.2012). 

8. Anerkannte Ausbildungsstätten

Anerkannte Ausbildungsstätten für die beschleunigte Grundqualifikation: 
  • Fahrschulen mit einer Fahrschulerlaubnis der Klassen DE § 17 Absatz 2 des Fahrlehrergesetzes, sofern die Fahrschulerlaubnis nicht ruht
  • Fahrschulen und Fahrlehrerausbildungsstätten, die nach § 44 Absatz 3 des Fahrlehrergesetzes keiner Fahrschulerlaubnis und keiner Anerkennung bedürfen 
  • Ausbildungsbetriebe, die eine Berufsausbildung in den Ausbildungsberufen „Berufskraftfahrer/Berufskraftfahrerin“ oder „Fachkraft im Fahrbetrieb" oder einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zur Durchführung von Fahrten mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden, durchführen,
  • Bildungseinrichtungen, die eine Umschulung zum Berufskraftfahrer/zur Berufskraftfahrerin oder zur Fachkraft im Fahrbetrieb auf der Grundlage einer nach Paragraf 58 oder Paragraf 59 des Berufsbildungsgesetzes erlassenen Regelung durchführen und anerkannte staatliche Ausbildungsstellen. 
Fahrschulen dürfen Schulungen nur in ihren durch die Fahrschulerlaubnis umfassten Räumlichkeiten durchführen. Wollen sie fremde Schulungsräume nutzen (z. B. für Inhouse-Schulungen), so bedürfen diese einer besonderen Genehmigung der zuständigen Anerkennungsbehörde. 
Darüber hinaus können weitere Ausbildungsstätten staatlich anerkannt werden, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen (siehe hierzu § 7 Absatz 2 BKrFQG). 
Eine Liste von Ausbildungsstätten in der Region Heilbronn-Franken finden Sie unter “Weitere Informationen – Ausbildungsstätten Personenverkehr”.

9. Zuständige Anerkennungsbehörden

In Baden-Württemberg sind die Landratsämter in den Landkreisen und die Bürgermeisterämter in den Stadtkreisen als untere Verwaltungsbehörde zuständig für:
  • die Erteilung der Bescheinigung über den Erwerb der Grundqualifikation oder Weiterbildung
  • die Anerkennung von Ausbildungsstätten für die beschleunigte Grundqualifikation und die Weiterbildung nach § 7 Abs. 2 BKrFQG
  • die Überwachung der Tätigkeit der Ausbildungsstätten für die beschleunigte Grundqualifikation und die Weiterbildung nach § 7 Abs. 4 BKrFQG