16.11.2021

Kleine und mittlere Unternehmen in der WTO

Die WTO setzt sich für kleine und mittlere Unternehmen aktiv mit Arbeitsgruppen und Tools ein. 
Nach der Definition der Europäischen Union (EU) haben KMU weniger als 250 Beschäftigte. Zudem liegt der Jahresumsatz bei maximal 50 Millionen Euro oder bei einer Bilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro. Für die Inanspruchnahme von Förderprogrammen ist die Definition und Unterscheidung zu großen Unternehmen essenziell.
Die WTO unterteilt die KMU in weitere Kategorien und spricht von MSMEs (Micro, small and medium-sized enterprises):
Klassifizierung
Anzahl der Beschäftigten
Mikrounternehmen
weniger als 10 Beschäftigte
Kleine Unternehmen
10 bis 49 Beschäftigte
Mittlere Unternehmen
50 bis 249 Beschäftigte
Kleine und mittlere Unternehmen
1 bis 249 Beschäftigte
Große Unternehmen
250 und mehr Beschäftigte
Quelle: WTO

1. KMU sind Teil wichtiger Lieferketten

KMU spielen in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle. Sie werden sogar als Rückgrat der europäischen Wirtschaft bezeichnet. Zahlreiche Arbeitsplätze und ein gesteigertes Wirtschaftswachstum gehen mit den rund 20 Millionen KMU in Europa einher. Auf internationaler Ebene kann sogar davon gesprochen werden, dass bereits 95 Prozent der Unternehmen weltweit MSMEs sind und 70 Prozent der Arbeitsplätze durch KMU abgedeckt werden. Wichtige Lieferketten von beispielsweise Medizinprodukten beinhalten vollständig oder teilweise KMU.  

2. KMU stehen vor großen Herausforderungen

Vor allem KMU stehen häufig vor großen Herausforderungen, von denen große Unternehmen zumeist nicht betroffen sind, da diese auf einen großen Ressourcenbestand zurückgreifen können. Aus diesem Grund, aber auch dem enormen Potenzial, welches KMU im Hinblick auf die Wirtschaftsleistung und der globalen Wertschöpfungsketten vorweisen können, möchte auch die WTO die KMU unterstützen und fördern.
Die aktuelle Corona-Pandemie macht KMU zu schaffen, da Grenzschließungen oder bestimmte Auflagen, Standards und Handelshemmnisse (Ein- und Ausfuhrverbote) die Lieferketten durchbohren und folglich stellenweise oder vollständig lahmlegen. Kurzarbeit, Mitarbeiterentlassungen oder auch verzögerte Lieferungen sind nur einige Folgen. Das größte Problem für KMU sind hier zumeist ein fehlendes Risikomanagementsystem sowie unterschiedliche Standards und Regeln. 

3. ISO entwickelt einheitliche Standards

ISO (International Organization for Standardization) hat  international einheitliche Standards entwickelt, um den Umgang mit solchen Herausforderungen und Krisen zu erleichtern. 

4. WTO Public Forum diskutiert über Unterstützung für KMU

Auf dem  WTO Public Forum diskutierten Vertreter internationaler Organisationen sowie KMU darüber, wie kleine Unternehmen dabei unterstützt werden können, sich an Veränderungen anzupassen, widerstandsfähiger zu werden und sich effektiver am globalen Handel zu beteiligen - und das trotz der Coronakrise. 
Dabei standen vor allem folgende Themen im Mittelpunkt:
  • Finanzierungsmöglichkeiten
  • Zugang zu erschwinglichen, nachhaltigen Technologien und Rohstoffen
  • Umweltfreundlichere Geschäftspraktiken
  • Digitaler Handel 

5. WTO-Arbeitsgruppe für MSMEs erarbeitet zahlreiche Lösungsansätze

Seit der 11. WTO-Ministerkonferenz in Buenos Aires (2017) verhandeln mittlerweile 91 WTO-Mitglieder über ein informelles Arbeitsprogramm für KMU. Diese Gruppe an Mitgliedern decken rund 80 Prozent des weltweiten Exports ab.
Für eine Stärkung der KMU im internationalen Handel strebt die WTO die nachfolgenden Punkte an:
  1. Multilaterales KMU-Arbeitsprogramm, das das Think Small First Prinzip in WTO Regularien verankert;
  2. Institutionelle Verankerung durch Schaffung eines WTO KMU-Komitees;
  3. Stärkung staatlicher Transparenzpflichten und besserer Zugang zu Marktzugangsinformationen für Unternehmen;
  4. Mittelstandskapitel in den regelmäßigen WTO-Überprüfungen der Handelspolitiken der WTO-Mitglieder Datenbank
  5. WTO-KMU-Beratungsgremium zur Einbindung der Wirtschaft in WTO-Verhandlungen;
  6. KMU-Beauftragter im WTO-Sekretariat;
  7. Etablierung des Global Trade Helpdesk als zentrale Plattform für weltweite Marktzugangsinformationen;
  8. Koordinierung zur besseren KMU-Datenerhebung und Evaluierung;
  9. Koordinierung praktischer Hilfestellungen und Best Practice-Austausch für mittelstandsfreundliche Handelserleichterungen;
  10. Wiederaufnahme der WTO-Verhandlungen über die Harmonisierung nicht-präferenzieller Ursprungsregeln.

6. Paket mit Empfehlungen und Erklärungen

Die WTO-Arbeitsgruppe für KMU hat am 11. Dezember 2020 ein  Paket mit sechs Empfehlungen und Erklärungen verabschiedet, um KMU zu unterstützen. Das Paket enthält eine Reihe freiwilliger und unverbindlicher Empfehlungen, die Bereiche wie z.B. Transparenz, Informationsaustausch, Zugang zu Finanzmitteln und grenzüberschreitenden Zahlungen, Zugang zu Marktinformationen und Einbeziehung von KMU in regulatorische Entwicklungen abdecken. 

7. Entwurf einer Ministererklärung

Am 24. September gab die Arbeitsgruppe bekannt, dass sie einen Entwurf einer Ministererklärung für die 12. Ministerkonferenz der WTO (MC12) Ende November fertiggestellt hat. Dieser Entwurf greift die Herausforderungen, denen KMU im internationalen Handel gegenüberstehen, sowie das Paket der Empfehlungen und Erklärungen auf. 
Weitere Informationen zu den  MSMEs sowie zu den Erklärungen und Arbeitsdokumenten

8. Trade-Helpdesk für KMU

Im Zuge der 11. Ministerkonferenz hat die WTO in Zusammenarbeit mit dem International Trade Centre (ITC) und United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) einen  Trade-Helpdesk entwickelt. Hier können sich KMU kostenlos über internationale Handelsregeln informieren.
Quelle: GTAI.de