01.10.2019

Abrechnung elektronischer Dienstleistungen

1. Grundlagen

Was für Dienstleister aus Drittländern schon lange gilt, wurde zum 1. Januar 2015 auch für Unternehmer mit Sitz in der Europäischen Union Realität: Elektronische Dienstleistungen sowie Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen an Nichtunternehmer sind seither nicht mehr im Mitgliedstaat des Dienstleisters der Umsatzsteuer zu unterwerfen, sondern im Mitgliedstaat des Kunden. Das bedeutet insbesondere, dass deutsche Unternehmer, die diese Dienstleistungen an Privatpersonen im EU-Ausland erbringen, die Umsatzsteuer des jeweiligen Bestimmungslandes in Rechnung stellen müssen. Um zu vermeiden, dass sich der betroffene Dienstleister in jedem Mitgliedstaat, in dem er Dienstleistungen für seine Kunden erbringt, umsatzsteuerlich registrieren und die Umsatzsteuer abführen muss, wurde zeitgleich ein vereinfachtes Deklarationsverfahren eingeführt, die sogenannte „kleine einzige Anlaufstelle“ (KEA oder MOSS = Mini-One-Stop-Shop).

2. Vorteile des MOSS

Die „kleine einzige Anlaufstelle“ erlaubt es Unternehmen, die diese Dienstleistungen an Nichtunternehmer in anderen Mitgliedstaaten erbringen, ihren umsatzsteuerlichen Pflichten in dem Land nachkommen zu können, in dem sie ansässig sind. In der Praxis bedeutet die Regelung, dass beispielsweise ein deutscher IT-Dienstleister die ausländische Umsatzsteuer im Rahmen seiner Voranmeldung gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern deklarieren und abführen kann. Die Nutzung der „kleinen einzigen Anlaufstelle“ ist für den Unternehmer freiwillig. Wenn er sich hierfür entscheidet, muss er dies allerdings einheitlich für alle Mitgliedstaaten tun, in denen er keinen Sitz oder Betriebsstätte hat.

3. Pflichten im MOSS

Unternehmer, die die Vereinfachungsregel in Anspruch nehmen, müssen bei der „kleinen einzigen Anlaufstelle“ auf elektronischem Wege für jedes Quartal eine Umsatzsteuererklärung einreichen – unabhängig davon, ob sie in dem betreffenden Quartal tatsächlich Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen oder elektronische Dienstleistungen erbracht haben. Wenn in dem Quartal keine entsprechenden Leistungen in der EU erbracht worden sind, wird eine sogenannte „Null-Erklärung“ abgegeben. Die über die Anlaufstelle eingereichte Umsatzsteuererklärung (mit der entsprechenden Zahlung) ist innerhalb von 20 Tagen nach Ablauf des Erklärungszeitraums abzugeben. Die Steuererklärungen werden dann zusammen mit der entrichteten Umsatzsteuer an die entsprechenden Mitgliedstaaten des Verbrauchs übermittelt.

4. Informationen der EU-Kommission und des Bundeszentralamtes für Steuern

Um die Unternehmen im Umgang mit den veränderten umsatzsteuerlichen Vorschriften für Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie elektronisch erbrachte Dienstleistungen zu unterstützen, hat die EU-Kommission auf ihrer Webseite einen Leitfaden veröffentlicht. Der Leitfaden steht in den 24 Amtssprachen sowie auf Chinesisch, Japanisch und Russisch zur Verfügung und enthält insbesondere Erläuterungen zu den Themen:
  • Registrierung für mehrwertsteuerliche Zwecke
  • Ausweis der Mehrwertsteuer
  • Form, in der die Informationen einzureichen sind
  • Fristen
  • praktische Hinweise für die Entrichtung der Steuer.
Das Bundeszentralamt für Steuern stellt auf seiner Homepage laufend aktuelle Informationen zur deutschen Umsetzung des Mini-One-Stop-Shop/KEA zur Verfügung ( FAQs zum Mini-One-Stop-Shop). Ein vom Bundesfinanzministerium am 11. Dezember 2014 veröffentlichter Ausführungserlass enthält Details zur Anwendung der Neuregelung.

5. Bagatellregelung für Kleinstunternehmer

Achtung: Seit 1.1.2019 gibt es eine Ausnahmeregelgung für Unternehmer mit kleinen und mittleren Umsätzen:
Die dem Grunde nach in den Anwendungsbereich der Sonderregelung Mini-One-Stop-Shop fallenden Umsätzen gelten als im Inland erbrachte Umsätze, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
  • Der Erbringer der Dienstleistung ist in nur einem Mitgliedstaat der EU ansässig.
  • Der Gesamtbetrag – ohne Mehrwertsteuer - der Dienstleistungen, die dem Grunde nach unter die Sonderregelung fallen und an private Leistungsempfänger in anderen EU-Mitgliedstaaten erbracht werden, überschreitet im laufenden Kalenderjahr nicht 10.000,- EUR und hat dies auch im vorangegangenen Kalenderjahr nicht getan.
Gelten Umsätze als im Inland erbrachte Umsätze, sind sie mit dem im Inland geltenden Steuersatz in Rechnung zu stellen und beim zuständigen Finanzamt zu erklären.
Sobald in einem Kalenderjahr der Schwellenwert von 10.000,- EUR überschritten wird, richtet sich der Leistungsort wieder nach dem Wohnsitz des (privaten) Leistungsempfängers (Bestimmungslandprinzip).
Verzicht auf die Anwendung der Ausnahmeregelung
Die Unternehmer können jederzeit auf die Anwendung der Verienfachungsregelung verzichten und für die Anwendung des MOSS-Verfahrens optieren. Die Option bedarf keiner besonderen Form. Sie bindet den Unternehmer für zwei Jahre und kann danach widerrufen werden.