Geld & Märkte | 20.08.2021

Unternehmen müssen Geld verdienen und Steuern zahlen


Herr Adrian, seit rund einem halben Jahr stehen Sie an der ehrenamtlichen Spitze des DIHK. Was hat Sie in dieser Zeit am meisten beeindruckt?

Das Netzwerk funktioniert, das erleben wir gerade wieder in der Flutkatastrophe: Es ist großartig, wie Unternehmerinnen und Unternehmer füreinander in die Bresche springen und sich gegenseitig unterstützen. Unternehmen, die Erfahrungen mit den Hochwassern im Osten gemacht habe, teilen ihre Erfahrungen mit den betroffenen Betrieben im Westen. Das ist – bei aller Tragik der Ereignisse – beeindruckend. Außerdem erlebe ich bei meinen zahlreichen Gesprächen mit Repräsentantinnen und Repräsentanten der Bundespolitik, dass Politik gerade in Krisenzeiten abgewogene Positionierungen, praxistaugliche Vorschläge und vor allem Verlässlichkeit braucht. Dafür steht die IHK-Organisation, der DIHK und auch ich persönlich. 

Sie haben das Präsidentenamt in einer schwierigen Zeit übernommen. Wie ist die Lage der deutschen Wirtschaft aus Ihrer Sicht, und welche Rolle spielt dabei unser Spitzenverband? 

Die Konjunktur ist aktuell vom krisenbedingten Nachholprozess geprägt. Davon können viele Unternehmen jetzt profitieren. Allerdings ist im Moment nicht absehbar, ob es gelingt, über den Nachholprozess hinaus eine strukturelle, positive Konjunkturentwicklung entstehen zu lassen.  
Deswegen werbe ich auch bei den Unternehmen dafür, neben den vorhandenen Risiken und Herausforderungen immer auch die Chancen zu sehen. Ob Digitalisierung, demographische Entwicklung oder Klimaanpassung – die damit verbundenen Veränderungsprozesse haben immer auch eine positive Wirkung auf Unternehmen: Sie fördern Erfindergeist und Investitionen. Das setzt aber voraus, dass wir die Themen in Deutschland und Europa richtig angehen. 

Jahrzehntelang galt die soziale Markwirtschaft mit ihren ordnungspolitischen Elementen als Erfolgsmodell. Erleben wir derzeit den Wandel hin zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft mit stärkeren staatlichen Eingriffen? 

Es ist klar, dass in Krisenzeiten von Pandemie und Flutkatastrophe der Staat in besonderem Maße gefordert ist. Wie sollte ein einzelnes Unternehmen für Pandemie und Flut Vorsorge treffen können? Deshalb ist es wichtig, dass der Staat aktiv werden kann.  
Ich plädiere aber auch dafür, jede Chance zu nutzen und zur Arbeitsteilung zurückzukehren: Die Unternehmen müssen Geld verdienen und Steuern zahlen. Mit Subventionen kann man auf Dauer eine positive wirtschaftliche Entwicklung nicht erkaufen – so wichtig Hilfen im Notfall sind. 

Rund um die Bundestagswahl und die folgende Regierungsbildung wird eine Frage besonders virulent: Wie können es Politiker schaffen, das Vertrauen der Unternehmerschaft zurückzugewinnen? 

Mit Ihrer Frage treffen Sie ins Schwarze: Wir erleben derzeit in vielen Ländern, dass infolge der Pandemie Vertrauen in Staat und Politik verloren geht. Zum Glück erleben wir das in Deutschland nicht in diesem Ausmaß. Dennoch gibt es auch hierzulande Enttäuschungen. Vertrauen fällt nicht vom Himmel! Ich plädiere dafür, durch enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik Vertrauen zu erarbeiten – auf Augenhöhe! Miteinander statt gegeneinander!

Stichwort Nachhaltigkeit: Wie kann es gelingen, der folgenden Unternehmergeneration die gleichen - qualitativen - Wachstumschancen zu sichern wie der aktuellen Generation? Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang von dem neu gewählten Bundestag?  

Aus gegebenem Anlass würde ich den Begriff Nachhaltigkeit hier auf das Thema Klimaanpassung beziehen. Um nachhaltig zu wirtschaften und dabei Wachstumschancen zu sichern, ist bei diesem Thema die internationale Verständigung über einen gemeinsamen Rahmen überragend wichtig. Das ist allerdings eine Herausforderung. Das sieht man an den kritischen Reaktionen der USA, Chinas und anderer Wirtschaftsräume. So ist zum Beispiel die Border Adjustment Tax, also die Belastung von Importen mit Klimaschutzabgaben, sehr umstritten. Am Ende können Deutschland und Europa die Klimafrage nicht allein lösen. Wir brauchen dafür internationale Allianzen. Aus Sicht der Wirtschaft sind dafür Freihandelsabkommen wichtige Instrumente. 

Zuletzt zwei persönliche Fragen: Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient und was ist Ihr unternehmerisches Erfolgsgeheimnis? 

Mein erstes Geld habe ich mit einer – aus heutiger Sicht – mutigen Immobilien-Investition in meiner Geburtsstadt Köln verdient. Auch damals handelte ich nach dem Motto: Chancen suchen – nicht zaudern – verbindlich bleiben!  
Autor: Thomas Rudolff

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Yvonne Allgeier
Yvonne Allgeier
Referentin Online Redaktion & Mitgliederkommunikation