Geld & Märkte | 03.12.2021

Erhöhte Nutzung zu erkennen

Freihandelsabkommen werden für internationale Wirtschaftsbeziehungen immer wichtiger. Dennoch bleibt die Nutzungsrate hinter ihrem Potenzial. Die EU setzt auf "neue Abkommen".
Von Melanie Hoffmann
Das Abkommen mit der Schweiz vom 1. Januar 1973 ist das erste Abkommen, welches die EU als Staatenverbund geschlossen hat. Ab 2000 ist ein zunehmender Trend erkennbar, sodass heute auf Handelsabkommen mit knapp 80 Ländern zurückzublicken ist, die vollständig oder erst vorläufig in Kraft sind.
Seit 2008 werden zunehmend handelsliberalisierende Maßnahmen in Form von Handelsabkommen verhandelt, die möglicherweise in naher Zukunft vollständig in Kraft treten werden. Auch die Zahl der Abkommen, die bereits verhandelt sind und nur noch einer Ratifizierung oder Unterzeichnung bedürfen, steigen seit den letzten zehn Jahren fortlaufend an. Zwischen 2015 und 2020 sind acht Abkommen vollständig und weitere acht Abkommen vorläufig in Kraft getreten.

Präferenznutzungsrate in 2020

Der Handel mit allen 77 Präferenzhandelspartnern belief sich 2020 auf 1,259 Milliarden Euro beziehungsweise 34,5 Prozent des gesamten Außenhandels der EU, wovon 672 Milliarden Euro auf Ausfuhren und 586 Milliarden Euro auf Einfuhren entfielen, was einen EU-Handelsüberschuss der EU in Höhe von 86 Milliarden Euro bedeutete.
Das Jahr 2020 war durch die Coronapandemie geprägt und löste schwerwiegende Folgen für den Handel aus. Der Handel mit den 67 Präferenzpartnern ging um 9,1 Prozent zurück, wobei die Ausfuhren von Chemikalien anstiegen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass trotz der Coronapandemie der EU-Präferenzhandel weniger stark sank, als der EU-Handel mit Partnern, mit denen kein Präferenzabkommen besteht. 

EU möchte Nutzungsrate weiter erhöhen

Die EU intensiviert die Freihandelsgespräche zunehmend und möchte durch aktive Maßnahmen die Nutzungsrate der Freihandelsabkommen erhöhen. Dabei spricht die EU von Maßnahmen wie:
  • Informationsmangel beheben, indem Informationen besser aufbereitet und digitalisiert werden,
  • Unternehmen bei der Nutzung von Freihandelsabkommen unterstützen,
  • Ursprungsregeln vereinfachen und harmonisieren, da diese umfangreich und teuer in der Umsetzung sind.
Erste Erfolge konnte die EU bereits erzielen, indem neue Tools und Datenbanken eingeführt wurden, Webinare und Beratungsgespräche kontinuierlich angeboten und Barrieren abgebaut werden.

Bilaterale Abkommen sind im Vormarsch

Auffallend ist die hohe Frequenz der seitens der EU abgeschlossenen Abkommen mit Vietnam, Singapur, Japan, Kanada sowie der Verhandlungen mit Australien und Neuseeland.
Das Liberalisierungspotential auf bilateraler Ebene kann im größeren Maße ausgeschöpft werden als im multilateralen Verhältnis. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Einigungen zwischen zwei Parteien durchaus schneller zu erzielen sind.
Bilaterale Verträge intensivieren auch die Beziehung zwischen den beiden vertragsschließenden Parteien und schaffen günstigere Wettbewerbsverhältnisse unter den Vertragspartnern.

Welche EU-Abkommen gibt es?

Auf der Seite der Europäischen Kommission können Sie eine aktuelle  Übersicht der Handelsabkommen der EU mit Drittstaaten abrufen: Negotiations and agreements - Trade - European Commission (europa.eu)
Die deutsche Zollverwaltung stellt in der Datenbank WuP Online (Warenursprung und Präferenzen) ausführliche Informationen zu den EU-Präferenzabkommen im Internet unter WuP online - Übersichten - Präferenzregelungen der Europäischen Union / Gemeinschaft (zoll.de) zur Verfügung.

Kontakt

Matthias Marquart
Matthias Marquart
Redakteur | Pressearbeit