IHK & Region | 08.04.2021

IHK-Trizgroup wird flügge

TRIZgroup leitet und organisiert sich nun selbst.
TRIZ ist das russische Akronym für "Teoria reshenija izobretatjelskich zadacz". Das heißt sinngemäß übersetzt: "Theorie des erfinderischen Problemlösens". TRIZ zählt in vielen Unternehmen als Standardwerkzeug bei der Entwicklung und Produktverbesserung. Dabei beinhaltet die Systematik eine Vielzahl von Werkzeugen für verschiedene Aufgaben von der Problemanalyse, über die Problemlösung bis zur Lösungsbewertung. Zusätzlich gibt es auch Tools für spezielle Aufgaben wie eine systematische Patentumgehung, Kostenreduzierung oder die Entwicklung einer neuen Produktgeneration - TRIZ hilft eingefahrene Denkmuster zu durchbrechen und neue Lösungswege zu finden. Dabei wird die Kreativität systematisch und strukturiert gelenkt und angeregt. TRIZ bietet ein Methodenkasten, um radikale technische Innovationen systematisch zu erarbeiten. Dabei gibt es auch Möglichkeiten diese Ansätze im Bereich Software oder Management zu nutzen und mit anderen Methoden wie Design Thinking zu kombinieren.

Kann etwas lang und kurz sein?

Der Kopf sagt nein und dies blockiert den Lösungsweg. Was übrig bleibt ist oft der „faule/optimierte“ Kompromiss der vom Kunden akzeptiert wird. So wird aus der Kundenanforderung schwarz und weiß oft nach langer Entwicklung eben „grau“.
 
TRIZ aber liebt den technischen Widerspruch, möchte diesen lösen oder wie Johann Wolfgang von Goethe einst formulierte: „Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht“. Durch Patentanalysen konnte der Erfinder Genrich Saulowitsch Altschuller einige Gesetzmäßigkeiten in Erfindungen ausmachen.
  • Einer großen Anzahl von Erfindungen liegt eine vergleichsweise kleine Anzahl von allgemeinen Lösungsprinzipien zugrunde.
  • Erst das Überwinden von Widersprüchen macht innovative Entwicklungen möglich.
  • Die Evolution technischer Systeme folgt bestimmten Mustern und Gesetzen.
Die TRIZgroup Heilbronn-Franken ist für mich die absolute Success-Story. Gleich bei der ersten Sitzung im Jahre 2006 haben wir uns das Ziel gesetzt, die TRIZ-Anwenderregion in Deutschland zu werden. Und das haben wir erreicht! 

Dipl. Ing. Thomas Bayer, Leiter Innovation Lab, Wittenstein Se, Igersheim

Als einfaches Beispiel sei hier das Prinzip der „Steckpuppe/Matrjoschka“ genannt. Dieses kommt oft zur Anwendung, wenn etwas klein und groß sein soll. Klein beim Transport/Lagerung und groß bei der Nutzung. Dieses Lösungsprinzip findet sich bei zahlreichen Produkten: Taschenschirm, Autokran, Koffer/Schüsseln die ineinander stapeln, Teleskopleiter und vieles mehr.

TRIZgroup Heilbronn-Franken ist jetzt unternehmensgetriebener denn je

Dank der strukturierten Lösungsfindung wurde der TRIZ-Arbeitskreis auch nach 15 Jahren der Arbeit nicht müde. Der erzeugte Mehrwert treibt die Gruppe weiter. Der neue Rahmen ist skizziert, die ersten Termine sind bereits gesetzt.
In den bis zu zehn ganztägigen Workshops pro Jahr trafen sich Entwickler aus verschiedenen Unternehmen der Region sowie Professoren, um sich die Methodik gezielt an aktuellen Problemstellungen zu erarbeiten. Zu den aktuell über 20 Mitgliedern in der TRIZgroup gehören unter anderem die Armaturenfabrik Franz Schneider GmbH + Co. KG, Nordheim; Ersa GmbH, Wertheim; DHBW Mosbach; Filtration Group GmbH, Öhringen; ginger.vision GmbH, Neckarsulm; Hirschmann Laborgeräte GmbH & Co. KG, Eberstadt; Hochschule Heilbronn; KS Kolbenschmidt GmbH, Neckarsulm; Roto Frank DST Produktions-GmbH, Bad Mergentheim; Quintex GmbH, Lauda-Königshofen; Schunk GmbH & Co. KG, Lauffen a.N.
weiße Maus durchbricht Labyrinthwände
Im Februar übergab die IHK Heilbronn-Franken als bisheriger Koordinator den Staffelstab an die Mitglieder der TRIZgroup, die die Gruppe nun selbst organisieren und leiten. © Triz

Wie alles begann

2005 wurde aus der Initiative des IHK-Initiativkreis Forschung und Innovation auf Wunsch der Unternehmen durch den IHK-Geschäftsführer Peter Schweiker die IHK TRIZgroup ins Leben gerufen. 2006 kam es zur konstituierenden Sitzung. Die noch recht unbekannte Methodik schien für die Unternehmen vielversprechend, es fehlte jedoch an einer Austauschplattform und der Möglichkeit sich diese Methodik in der praktischen Anwendung zu erarbeiten. Die Vision der Gruppe „TRIZ-Anwenderregion Nr. 1 in Deutschland“.
Die Konzeption, Organisation, Moderation und Ergebnissicherung der über 150 Workshops übernahm lange Zeit die IHK Heilbronn-Franken. Neben den Workshops gab es zahlreiche Einführungsveranstaltungen und Vorträge.
Die TRIZgroup Heilbronn-Franken ist für mich ein Super-Netzwerk, um gemeinsam Probleme zu lösen, branchenübergreifend voneinander zu lernen und auch den Tunnelblick innerhalb der Firmen zu öffnen. 

Bernd Galm, Produktinnovation, Roto Frank DST Produktions-GmbH, Bad Mergentheim

TRIZ Anwenderregion Nr.1 in Deutschland

Mit dem deutschen TRIZ-Anwendertag 2008, 2016 und 2018 konnte die TRIZgroup ihren zentralen Punkt in der Anwendergemeinschaft in Deutschland zeigen und 2019 gelang es den internationalen TRIZ-Kongress „TRIZfest 2019“ nach Prag, Seoul, Beijing und Lissabon in die Region zu holen und zahlreiche Weggefährten vom Erfinder der Methode live vor Ort zu erleben. Darunter Referenten von Samsung und dem Massachusetts Institute of Technology. Bei den rund 60 Podiumsbeiträgen vertrat Thomas Bayer, Wittenstein SE mit einer Keynote und Michael Graf, Schubert-Consulting a Unit of Schubert Packaging Systems GmbH mit einem Fachvortrag die TRIZ Anwenderregion Nr.1 in Deutschland.
Die TRIZgroup Heilbronn-Franken bietet mir eine regelmäßige gute Abwechslung vom normalen Rhythmus und eine Erweiterung des Horizonts.

Simon Hame, Abteilungsleiter FIT, Ersa GmbH, Wertheim

Mit Klaus-Jürgen Uhrner stand der Gruppe lange Jahre ein Autodidakt zur Seite, der durch TRIZ als Entwicklungsleiter einen Herstellungsprozess von 24 Stunden auf fünf Minuten verkürzen und den Energieverbrauch um 90 Prozent senken konnte. Aber auch andere mit TRIZ entwickelten Lösungen ermöglichten einen Innovationssprung für Unternehmen wie eine auf der Achema ausgezeichnete und patentierte Überdruckkapselung von Quintex GmbH, Lauda-Königshofen oder das Galaxie Antriebssystem der Firma Wittenstein SE, Iggersheim welches zu dem Kreis der Besten des Deutschen Zukunftspreises 2018 zählt und viele weitere Preise erhalten hat.

Kontakt

Kai Plambeck
Kai Plambeck
Referent Regionalpräsenz & Organisationsentwicklung

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