IHK & Region | 04.05.2021

Wirtschaftslagebericht für das 1. Quartal 2021

Regionale Wirtschaft in dritter Welle robust.
Trotz steigender Infektionszahlen ist die regionale Wirtschaft sehr robust in das Frühjahr gestartet. Die Unternehmen im IHK-Bezirk Heilbronn-Franken schätzen ihre Lage im 1. Quartal 2021 über fast alle Branchen hinweg besser als in den Vormonaten ein. Vor allem die Industrie setzt ihren Aufschwung fort. Die Lageurteile der Industrieunternehmen fallen so gut wie zuletzt im Sommer 2019 aus. Auch die Dienstleister zeigen sich mehrheitlich kaum noch skeptisch. Dramatisch bleibt die Lage hingegen in dem von den Corona-Einschränkungen besonders hart getroffenen Reise- und Gastgewerbe sowie in Teilen des Einzelhandels. Hinsichtlich der Geschäftsaussichten hat der Optimismus der regionalen Unternehmen insgesamt leicht zugenommen. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, an der 421 Betriebe aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt rund 81.000 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen haben.
 
Trotz erneut steigender Infektionszahlen schätzen die regionalen Unternehmen insgesamt ihre aktuelle Geschäftslage besser als im Vorquartal ein. 40 Prozent (Vorquartal 33 Prozent) der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe bezeichnen den Geschäftsverlauf als gut, während 19 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) mit der aktuellen Lage unzufrieden sind. Auch hinsichtlich der Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate hat der Optimismus gegenüber dem Vorquartal etwas zugenommen. Während 32 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) der Betriebe von einer günstigen Geschäftsentwicklung ausgehen, blicken 20 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) skeptisch in die Zukunft. Vom Vorkrisenniveau ist die regionale Wirtschaft allerdings weiterhin deutlich entfernt. Nur knapp ein Viertel der Unternehmen arbeitet bereits wieder auf Vorkrisenniveau. 17 Prozent rechnen noch in diesem Jahr mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit. 28 Prozent kalkulieren im Jahr 2022 mit einer Rückkehr zur Normalität. 72 Prozent (Vorquartal 78 Prozent) sehen in der Corona-Pandemie das größte Geschäftsrisiko. Der Fachkräftemangel stellt für 38 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) der Betriebe ein Geschäftshemmnis dar. Trotz des Lockdowns erholt sich der Arbeitsmarkt. 22 Prozent (Vorquartal 15 Prozent) der Betriebe planen Neueinstellungen, während 19 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) Personal abbauen wollen.

Konjunkturerholung verzögert sich

Das Ergebnis der Konjunkturumfrage für das 1. Quartal 2021 zeigt eine Stimmungsverbesserung in fast allen Bereichen. Dazu dürften auch die Anfang März in Aussicht gestellten Lockerungen etwa für Einzelhandel und Gastgewerbe sowie die positiven weltwirtschaftlichen Perspektiven beigetragen haben. Angesichts der dritten Infektionswelle und ansteckenderen Virusmutanten wurden jedoch erneut Verschärfungen und Verlängerungen der Eindämmungsmaßnahmen umgesetzt. Die Konjunkturerholung dürfte sich daher verzögern. Die aktuellen Stimmungsverbesserungen in der Breite der Wirtschaft zeigen das große Potenzial für eine konjunkturelle Erholung, sobald die Pandemie erfolgreich eingedämmt wird. Bis zum Herbst 2021 wäre eine durchgreifende Erholung durchaus möglich. Voraussetzung hierfür ist allerdings der konsequente Ausbau der Impfungen, verbunden mit einer überzeugenden Teststrategie und funktionierenden Hygienekonzepten.
Vom Vorkrisenniveau ist die regionale Wirtschaft weiterhin deutlich entfernt.

Industrie setzt Aufschwung fort

In der Industrie, die maßgeblich die regionale Wirtschaftsentwicklung bestimmt, beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftssituation zum dritten Mal in Folge besser als im Vorquartal. Der Saldo aus positiven und negativen Stimmen übertrifft nun mit 29 Prozent das Vorkrisenniveau (25 Prozent). 42 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) der Betriebe melden eine gute Geschäftslage, während 14 Prozent (Vorquartal 17 Prozent) von einem schlechten Geschäftsverlauf sprechen. Die Auftragseingänge aus dem In– und Ausland haben an Schwung gewonnen. 42 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) der Betriebe konnten einen Anstieg der Auslandsorders verbuchen. 17 Prozent (Vorquartal 19 Prozent) melden hingegen einen Rückgang. Bei den Inlandsorders weisen 45 Prozent (Vorquartal 31 Prozent) einen Anstieg aus, 15 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) mussten Einbußen verkraften. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung ist auf 82 Prozent (Vorquartal 80 Prozent) gestiegen. Die Beurteilung der weiteren Geschäftsentwicklung erreicht den höchsten Stand seit fast drei Jahren. 40 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) der Betriebe gehen von einer günstigen Geschäftsentwicklung aus, während 8 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) mit einem schlechteren Verlauf rechnen. Umsatzzuwächse erwartet die Hälfte (Vorquartal 43 Prozent). 11 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) kalkulieren mit Umsatzeinbußen. Die Exporterwartungen haben sich erneut verbessert. 41 Prozent (Vorquartal 39 Prozent) rechnen mit einem steigenden Auslandsgeschäft, nur ein Zehntel (Vorquartal 14 Prozent) geht von sinkenden Exporten aus. Auch die Investitionsbereitschaft hat gegenüber dem Vorquartal weiter zugenommen. 38 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) planen mit einer Zunahme der Inlandsinvestitionen. 23 Prozent (Vorquartal 17 Prozent) der Betriebe wollen neues Personal einstellen. 14 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) erwägen eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl.

Baugewerbe bleibt Konjunkturstütze

Die Lagebeurteilung in der regionalen Bauwirtschaft hat sich auf hohem Niveau gegenüber dem Vorquartal wieder deutlich verbessert. Während 77 Prozent (Vorquartal 59 Prozent) der Betriebe den aktuellen Geschäftsverlauf als gut bezeichnen, halten lediglich 2 Prozent (Vorquartal 7 Prozent) die aktuelle Geschäftslage für schlecht. Auch die Auftragseingänge insgesamt fallen per saldo weniger ungünstig als im Vorquartal aus. Ein Zehntel (Vorquartal 5 Prozent) der Betriebe meldet steigende Auftragseingänge, während 26 Prozent (Vorquartal 33 Prozent) Einbußen hinnehmen mussten. In allen Teilbereichen des Baugewerbes - Straßen- und Tiefbau, gewerblichem Hochbau, öffentlichem Hochbau und Wohnungsbau - fallen die Auftragseingänge per saldo weniger negativ als im Vorquartal aus. Im Wohnungsbau überwiegen sogar wieder die positiven Stimmen. Die Auslastung von Maschinen und Geräten lag bei 78 Prozent (Vorquartal 81 Prozent). Auf die kommenden Monate blicken die Baubetriebe per saldo ähnlich skeptisch wie im Vorquartal. 7 Prozent (Vorquartal 4 Prozent) der Betriebe rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten. 32 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) erwarten hingegen eine Eintrübung des Geschäftsverlaufs. Neben der Corona-Pandemie (66 Prozent) wird der Fachkräftemangel (64 Prozent) als größtes Geschäftsrisiko genannt. 19 Prozent (Vorquartal 9 Prozent) der Unternehmen planen Neueinstellungen. Nur 5 Prozent (Vorquartal 7 Prozent) wollen Personal abbauen.

Großhandel deutlich verbessert

Im Bereich des Großhandels hat sich das Stimmungsbild gegenüber dem Vorquartal deutlich aufgehellt. Während 52 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) von einem guten Geschäftsverlauf sprechen, bezeichnen 16 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) der Unternehmen die aktuelle Lage als schlecht. Dabei steht eine erheblich verbesserte wirtschaftliche Situation der Betriebe des produktionsverbindenden Großhandels verschlechterten Geschäften im konsumnahmen Großhandel gegenüber. Das Bestellverhalten hat sich im Vergleich zum Vorquartal per saldo leicht verbessert. Jeweils 29 Prozent melden steigende (Vorquartal 24 Prozent) oder sinkende (Vorquartal 30 Prozent) Bestellungen. Größte Geschäftsrisiken sehen die Großhändler derzeit in der Corona-Pandemie (81 Prozent) und in den hohen Energie- und Rohstoffpreisen (62 Prozent). In Bezug auf die weitere Geschäftsentwicklung zeigen sich 29 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) der Großhändler optimistisch. 31 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) erwarten eine schlechtere zukünftige Entwicklung. 22 Prozent (Vorquartal 7 Prozent) planen einen Anstieg der Beschäftigung, 9 Prozent (Vorquartal 20 Prozent) sehen einen Personalabbau vor.
29 Prozent der Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe bezeichnen ihre Finanzlage als existenzgefährdend.

Dramatische Situation in Teilen des Einzelhandels

Im regionalen Einzelhandel insgesamt hat sich die Lagebeurteilung gegenüber dem Vorquartal per saldo leicht verschlechtert. 53 Prozent (Vorquartal 47 Prozent) der Einzelhändler bezeichnen den Geschäftsverlauf als gut, während 35 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) der Betriebe mit der aktuellen Lage unzufrieden sind. In den Teilbranchen ist die Situation allerdings extrem unterschiedlich. Während der Lebensmittelhandel sehr gute Geschäfte meldet, ist beispielsweise die Lage im Einzelhandel mit Bekleidung dramatisch. 13 Prozent der Einzelhändler berichten von einer existenzgefährdenden Finanzlage. Die Einschätzung der Konsumbereitschaft der Kunden fällt zurückhaltender als im Vorquartal aus. 35 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) der Einzelhändler bezeichnen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig. 27 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) stufen das Kaufverhalten als saisonüblich angemessen ein. 38 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) sprechen hingegen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. 29 Prozent der Betriebe erwarten ein Umsatzwachstum, 32 Prozent rechnen dagegen mit Umsatzeinbußen. Der Pessimismus hinsichtlich des zukünftigen Geschäftsverlaufs hat geringfügig abgenommen. 37 Prozent (Vorquartal 43 Prozent) gehen von einer ungünstigeren Entwicklung aus. 13 Prozent (Vorquartal 10 Prozent) blicken optimistisch in die Zukunft. Größte Geschäftsrisiken stellen die Corona-Pandemie (65 Prozent) und die Inlandsnachfrage (50 Prozent) dar. 24 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) der Einzelhändler planen einen Personalaufbau, 21 Prozent (Vorquartal 17 Prozent) wollen die Beschäftigtenzahl reduzieren.

Skepsis bei Dienstleistern geht zurück

Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage durch die regionalen Dienstleister hat sich im Vergleich zum Vorquartal per saldo weiter verbessert. Die negativen Stimmen sind nur noch knapp in der Überzahl. Ein Viertel (Vorquartal 23 Prozent) der Unternehmen hält die aktuelle Lage für gut, während 26 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden sind. Große Unterschiede zeigen sich nach wie vor in den einzelnen Teilbereichen. Während die Lageurteile der ITK-Dienstleister und der Arbeitnehmerüberlassung deutlich über dem Durchschnitt aller Dienstleister liegen, sind unter anderem die Reisevermittler weiterhin massiv von der Pandemie betroffen. Ein Viertel (Vorquartal 20 Prozent) aller Dienstleister meldet steigende Umsätze, 54 Prozent (Vorquartal 59 Prozent) mussten hingegen Umsatzeinbußen hinnehmen. 31 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) berichten über rückläufige Auftragsvolumina. 26 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) verbuchten einen Zuwachs. In Bezug auf die weitere Geschäftsentwicklung erwarten 35 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) einen günstigeren Verlauf. 24 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) blicken skeptisch in die Zukunft. Risiken werden vor allem in der Corona-Pandemie und der Inlandsnachfrage gesehen. 26 Prozent erwägen Neueinstellungen, 24 Prozent wollen Personal abbauen.

Lage im Hotel- und Gaststättengewerbe weiter sehr schlecht

Die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation im stark von den Maßnahmen der Pandemiebekämpfung betroffenen Hotel- und Gaststättengewerbe, das bei den Ergebnissen zu den Dienstleistern nicht mit einbezogen ist, hat sich gegenüber dem Vorquartal nochmals verschlechtert. Nach wie vor kein Betrieb bezeichnet die Geschäftslage als gut. 89 Prozent (Vorquartal 81 Prozent) sind hingegen mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. 96 Prozent melden einen Umsatzrückgang. 29 Prozent bezeichnen ihre Finanzlage als existenzgefährdend. 61 Prozent (Vorquartal 68 Prozent) erwarten eine schlechtere Entwicklung. 26 Prozent (Vorquartal 18 Prozent) zeigen sich optimistisch.
 
Weitere Informationen zur aktuellen Konjunkturlage sind abrufbar unter: www.heilbronn.ihk.de/konjunkturbericht

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Dorothee Kienzle
Dorothee Kienzle
Referentin Volkswirtschaft