IHK & Region | 15.07.2021

Wirtschaftslagebericht der IHK Heilbronn-Franken für das 2. Quartal 2021

Regionale Wirtschaft nimmt Fahrt auf.
Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben zu einer kräftigen Stimmungsverbesserung in der regionalen Wirtschaft geführt. Die Lageurteile der Unternehmen sind im IHK-Bezirk Heilbronn-Franken im 2. Quartal 2021 auf den höchsten Wert seit Sommer 2019 gestiegen. In fast allen Branchen haben sich die Einschätzungen zur Geschäftssituation verbessert. Vom globalen Aufschwung profitieren besonders die Industrie und der Großhandel. Auch die bisher pandemiebedingt stark eingeschränkten Teile der Wirtschaft wie Einzelhandel, Dienstleistungssektor und Hotel- und Gaststättengewerbe berichten von einer Belebung der Geschäfte. Im Bau bewegen sich die Lageurteile auf sehr hohem Niveau leicht nach unten. Hinsichtlich der kommenden zwölf Monate ist die Zuversicht so groß wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, an der 404 Betriebe aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt rund 72.700 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen haben.
Die regionalen Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage im 2. Quartal 2021 so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr. 47 Prozent (Vorquartal 40 Prozent) der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe sprechen von einer guten Geschäftslage, während 16 Prozent (Vorquartal 19 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf nicht zufrieden sind. Auf die kommenden zwölf Monate blicken die Unternehmen so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr. 42 Prozent (Vorquartal 32 Prozent) erwarten einen günstigen Geschäftsverlauf. Lediglich 9 Prozent (Vorquartal 20 Prozent) gehen von einer schlechteren Entwicklung aus.
Von einer normalen Geschäftstätigkeit ist die regionale Wirtschaft jedoch nach wie vor deutlich entfernt. Lediglich 26 Prozent der Unternehmen arbeiten bereits wieder auf Vorkrisenniveau. Ein Fünftel rechnet noch in diesem Jahr mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit. 40 Prozent kalkulieren hingegen erst im Jahr 2022 oder später mit einer Rückkehr zur Normalität. Noch immer beurteilen 45 Prozent ihre Finanzierungssituation als problematisch. Große Sorgen bereitet den Unternehmen derzeit auch das Thema Rohstoffversorgung. Fast zwei Drittel (Vorquartal 45 Prozent) geben hohe Energie– und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko an. Weitere große Geschäftsrisiken stellen die Corona-Pandemie (50 Prozent, Vorquartal 72 Prozent) und der Fachkräftemangel (48 Prozent, Vorquartal 38 Prozent) dar. Vom Arbeitsmarkt kommen günstige Signale. 27 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) wollen neues Personal einstellen, 16 Prozent erwägen (Vorquartal 19 Prozent) Stellenstreichungen.

Bei allem Optimismus ist Vorsicht nötig

Die Konjunkturampel springt auf Grün. Die konjunkturelle Erholung nimmt bei anziehender Weltkonjunktur und niedrigen Infektionszahlen Fahrt auf. Die Unternehmen blicken zuversichtlich nach vorne. Auch die betrieblichen Beschäftigungspläne schalten auf Expansion. Das macht große Hoffnung. Bei allem Optimismus ist aber nach wie vor Vorsicht nötig. Die Politik sollte jetzt die richtigen Konsequenzen aus den überwundenen Infektionswellen ziehen und Konzepte für einen Wiederanstieg der Infektionszahlen entwickeln. Es sollte alles getan werden, um einen vierten Lockdown zu verhindern. Dann besteht die Zuversicht, dass die regionale Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf dank Nachholeffekten bei den Dienstleistungen und einer zu erhoffenden allmählichen Entspannung bei den Vorleistungs- und Rohstoffengpässen einen kräftigen Wachstumsschub erhält.

Industrie: Beste Lageurteile seit zweieinhalb Jahren

In der Industrie, die maßgeblich die regionale Wirtschaftsentwicklung bestimmt, beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftssituation zum vierten Mal in Folge besser als im Vorquartal. Die Lageurteile erreichten den höchsten Wert seit zweieinhalb Jahren. Allerdings bereiten Lieferengpässe und Materialknappheit den Unternehmen großes Kopfzerbrechen. 73 Prozent der Betriebe nennen aktuell hohe Rohstoffpreise als größtes Geschäftsrisiko (Vorquartal 53 Prozent). Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland konnten weiter an Schwung gewinnen. 44 Prozent (Vorquartal 42 Prozent) der Betriebe verbuchten steigende Auslandsorders. 11 Prozent (Vorquartal 17 Prozent) melden einen Rückgang. Bei den Inlandsorders weisen 47 Prozent (Vorquartal 45 Prozent) einen Anstieg aus. 11 Prozent (Vorquartal 15 Prozent) mussten Einbußen verkraften. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung ist auf 84 Prozent (Vorquartal 82 Prozent) gestiegen.
Die Beurteilung der weiteren Geschäftsentwicklung ist auf ein neues Allzeithoch geklettert. 52 Prozent (Vorquartal 40 Prozent) der Unternehmen rechnen mit einer günstigeren zukünftigen Geschäftsentwicklung, während lediglich 5 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) pessimistisch in die Zukunft blicken. 58 Prozent (Vorquartal 50 Prozent) erwarten Umsatzsteigerungen. 7 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) rechnen mit Umsatzeinbußen. Die Exporterwartungen fallen optimistischer als im Vorquartal aus. 45 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) rechnen mit einem steigenden Auslandsgeschäft, 8 Prozent (Vorquartal 10 Prozent) gehen von rückläufigen Exporten aus. Die Investitionspläne fallen ähnlich positiv wie im Vorquartal aus. 40 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) planen mit einer Zunahme der Inlandsinvestitionen. 54 Prozent sehen Investitionen mit dem Motiv Digitalisierung vor. 31 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) kalkulieren mit Neueinstellungen. 14 Prozent planen wie im Vorquartal mit einem Personalabbau. 

Baugewerbe: Dämpfer auf hohem Niveau

Das Stimmungsbild im regionalen Baugewerbe hat sich auf sehr hohem Niveau gegenüber dem Vorquartal per saldo etwas verschlechtert. Während zwei Drittel (Vorquartal 77 Prozent) den aktuellen Geschäftsverlauf als gut bezeichnen, hält kein Unternehmen (Vorquartal 2 Prozent) die aktuelle Geschäftslage für schlecht. Das Problem der Materialknappheit hat sich weiter verschärft. 86 Prozent (Vorquartal 52 Prozent) nennen hohe Rohstoffpreise als größtes Geschäftsrisiko. Die Auftragseingänge insgesamt sind gestiegen. Ein Viertel (Vorquartal 10 Prozent) der Betreibe meldet einen Anstieg, während 19 Prozent (Vorquartal 26 Prozent) Einbußen hinnehmen mussten.
In allen Teilbereichen des Baugewerbes - Straßen– und Tiefbau, gewerblichem Hochbau, öffentlichem Hochbau und Wohnungsbau - haben sich die Auftragseingänge zumindest per saldo gegenüber im Vorquartal verbessert. Im Wohnungsbau überwiegen weiterhin die positiven Stimmen. Die Auslastung von Maschinen und Geräten ist auf 82 Prozent gestiegen (Vorquartal 78 Prozent). Auf die kommenden Monate blicken die Baubetriebe weniger skeptisch als im Vorquartal. 6 Prozent (Vorquartal 7 Prozent) erwarten eine Verbesserung des Geschäftsverlaufs. 14 Prozent (Vorquartal 32 Prozent) blicken pessimistisch in die Zukunft. Neben Energie– und Rohstoffpreisen wird der Fachkräftemangel mit 89 Prozent als größtes Geschäftsrisiko genannt. 17 Prozent (Vorquartal 19 Prozent) erwägen eine Erhöhung des Personalbestandes, kein Unternehmen (Vorquartal 5 Prozent) will Personal abbauen.

Situation im produzierenden Großhandel hervorragend

Im an der Schnittstelle von nationalen und internationalen Märkten operierenden Großhandel hat sich die Lageeinschätzung zum zweiten Mal in Folge verbessert. Sie fällt so positiv wie seit zwei Jahren nicht mehr aus. Während 54 Prozent (Vorquartal 52 Prozent) der Betriebe eine gute Geschäftslage melden, sind 9 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. Dabei steht eine hervorragende Geschäftssituation im produzierenden Großhandel verhaltenen Geschäften im konsumnahen Großhandel gegenüber. Das Bestellverhalten hat sich erheblich verbessert. 55 Prozent der Großhändler (Vorquartal 29 Prozent) melden steigende Bestellungen. 11 Prozent (Vorquartal 29 Prozent) weisen rückläufige Bestellungen aus. Größtes Geschäftsrisiko stellen im Großhandel die hohen Energie- und Rohstoffpreise (86 Prozent), gefolgt vom Fachkräftemangel (48 Prozent) dar. 36 Prozent (Vorquartal 29 Prozent) blicken optimistisch in die Zukunft. 13 Prozent (Vorquartal 31 Prozent) erwarten eine schlechtere Entwicklung. 37 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) planen mit Neueinstellungen, 6 Prozent (Vorquartal 9 Prozent) wollen Personal abbauen.

Einzelhandel: Verbesserung durch Öffnungsschritte

Im regionalen Einzelhandel insgesamt hat sich die Einschätzung der Geschäftslage angesichts weitreichender Öffnungsschritte verbessert. Der Saldo der Lageurteile liegt etwa auf dem Niveau vom Herbst 2020. 55 Prozent (Vorquartal 53 Prozent) der Einzelhändler halten den Geschäftsverlauf für gut. Beinahe jeder Vierte (Vorquartal 35 Prozent) meldet allerdings eine schlechte Geschäftslage. Nach wie vor ist die Situation in den Teilbranchen sehr unterschiedlich. Während die Geschäfte im Lebensmittelhandel und bei den Baumärkten gut laufen, spricht unter anderem der Einzelhandel mit Bekleidung noch immer von einer äußerst schlechten Lage.
Die Einschätzung des Kaufverhaltens der Kunden fällt deutlich positiver als im Vorquartal aus. 39 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) der Einzelhändler bezeichnen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig. 46 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) stufen es als saisonüblich angemessen ein. 15 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. 39 Prozent erwarten steigende Umsätze, während 12 Prozent mit Umsatzeinbußen rechnen. Die zukünftigen Geschäftserwartungen haben angesichts sinkender Inzidenzen und Impffortschritten so stark wie noch nie zuvor zugelegt. 36 Prozent (Vorquartal 13 Prozent) blicken optimistisch in die Zukunft. 9 Prozent (Vorquartal 37 Prozent) gehen von einer ungünstigeren Entwicklung aus. Als größte Geschäftsrisiken werden die Corona-Pandemie (58 Prozent) und der Fachkräftemangel (49 Prozent) genannt. 57 Prozent der Einzelhändler berichten von einer problematischen Finanzierungssituation. 21 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) wollen neues Personal einstellen. 12 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) planen einen Personalabbau.

Dienstleistungssektor erstmals seit Coronakrise im Plusbereich

Im Dienstleistungssektor fällt die Beurteilung der konjunkturellen Situation per saldo geringfügig besser als im Vorquartal aus. Erstmals seit Beginn der Coronakrise überwiegen wieder leicht die positiven Stimmen. 28 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) der Unternehmen bezeichnen die aktuelle Geschäftslage als gut, 27 Prozent (Vorquartal 26 Prozent) sind mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. Große Unterschiede zeigen sich weiterhin in den Teilbereichen. Die ITK-Dienstleister und das Verkehrsgewerbe melden überdurchschnittliche Lageurteile. Stark unterdurchschnittlich fallen sie vor allem bei den Reisevermittlern aus. 34 Prozent aller Dienstleister melden steigende Umsätze, 43 Prozent einen Rückgang. Ein Drittel (Vorquartal 26 Prozent) berichtet über ein steigendes Auftragsvolumen. 41 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) blicken optimistisch in die Zukunft. 9 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) erwarten eine Verschlechterung. Als größte Risiken werden die Corona-Pandemie und die Inlandsnachfrage genannt. 26 Prozent planen wie im Vorquartal einen Personalaufbau.

Hotel- und Gaststättengewerbe: Große Hoffnung auf Erholung

Angesichts erster Lockerungen bei sinkenden Inzidenzen und deutlichen Impffortschritten fällt die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation im Hotel- und Gaststättengewerbe, das bei den Ergebnissen zu den Dienstleistern nicht mit einbezogen ist, spürbar weniger negativ als im Vorquartal aus. 6 Prozent (Vorquartal 0 Prozent) der Betriebe melden eine gute Geschäftslage. 57 Prozent (Vorquartal 89 Prozent) sind mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. 83 Prozent berichten noch immer von einer problematischen Finanzierungssituation. 15 Prozent droht die Insolvenz. 55 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft. 29 Prozent erwarten eine schlechtere Entwicklung.

Kennzahlen per Newsletter

Aktuelle Informationen zu den Themen aktuelle Wirtschaftszahlen, Konjunktur sowie Neues aus der amtlichen Statistik enthält der IHK-Newsletter „Wirtschaft und Statistik“. Er kann kostenfrei abonniert werden:  www.heilbronn.ihk.de/newsletter

IHK-Konjunkturumfrage

Im Rahmen der Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik und Öffentlichkeit sind die Ergebnisse der Konjunkturumfrage für die IHK eine wirksame Argumentationshilfe. Machen auch Sie bei der Konjunkturumfrage mit und tragen Sie mit Ihrer Stimme zu einer repräsentativen Beteiligung der regionalen Unternehmerschaft bei.
Sie nehmen bisher noch nicht teil? – Hier können Sie sich anmelden: www.heilbronn.ihk.de/konjunkturumfrage


Kontakt

Dorothee Kienzle
Dorothee Kienzle
Referentin Volkswirtschaft