Service & Infos | 01.10.2021

Energiewende-Barometer 2021

Unzureichende Rahmenbedingungen hemmen Umsetzung in betriebliche Praxis.
Von Dr. Sebastian Bolay
Die deutsche Wirtschaft investiert immer stärker in betrieblichen Klimaschutz und in die eigene Energieversorgung. Zugleich nimmt die Verunsicherung wegen unklarer oder widersprüchlicher Rahmenbedingungen zu. Das zeigt das vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vorgestellte Energiewende-Barometer.
Aus den Ergebnissen der bundesweiten IHK-Umfrage, die der DIHK koordiniert und ausgewertet hat, geht hervor, dass der Anteil der Unternehmen, die Maßnahmen zur besseren Energieeffizienz eingeleitet haben, von 35 auf 38 Prozent angestiegen ist. Besonders deutlich nimmt demnach die Nutzung der Elektromobilität zu: 65 Prozent der Betriebe haben sich bereits entsprechende Fahrzeuge angeschafft oder planen dies, ein Plus von fünf Prozentpunkten. 

Betriebe nehmen mehr Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit wahr

Allerdings sehen die Unternehmen insgesamt wieder stärker die Risiken der Transformation für die eigene Wettbewerbsfähigkeit: Für inzwischen 30 Prozent der Unternehmen wirkt sich die Energiewende negativ auf das eigene Geschäft aus – nach 26 Prozent im Vorjahr. In der Industrie sind sogar 43 Prozent der Betriebe negativ betroffen. Angesichts der hohen Bedeutung der Industrie für die Wertschöpfung in Deutschland ist dieser hohe Wert besonders beunruhigend. Lediglich 19 Prozent über alle Branchen hinweg sehen hingegen eine positive Wirkung.
DIHK-Präsident Peter Adrian
DIHK-Präsident Peter Adrian © DIHK

Hürden sind unter anderem langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren

„Viele Unternehmen erleben, wie Defizite in den Rahmenbedingungen eine zügige Umsetzung von Energiewende und Klimaschutz in der betrieblichen Praxis behindern”, sagt DIHK-Präsident Peter Adrian. „Hürden sind aus Sicht der Betriebe langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, der schleppende Ausbau von Stromnetzen und erneuerbaren Energien sowie die hohen Steuern, Abgaben und Entgelte, insbesondere auf Strom. Zudem verteuert die dieses Jahr eingeführte CO 2-Bepreisung die Rechnung für Gas und Öl, wovon insbesondere im internationalen Wettbewerb tätige Mittelständler betroffen sind." 

Einschätzung wird kritischer

Insgesamt erwarten die Unternehmen in Deutschland unter dem Strich daher mehr Risiken als Chancen für die eigene Wettbewerbsfähigkeit: Auf einer Skala von minus 100 ("sehr negativ") bis plus 100 ("sehr positiv") bewerten sie die Auswirkungen der Energiewende auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit durchschnittlich mit minus 6,7 und damit kritischer als im Vorjahr (2020: minus 2,5). 
„In dieser Stimmung schlägt sich der von vielen Betrieben erlebte Widerspruch zwischen Theorie und Praxis nieder”, so Adrian.
Die Politik führt klimapolitisch nachvollziehbare ambitioniertere Ziele und höhere CO 2-Preise ein. Gleichzeitig schafft sie aber nicht den erforderlichen Rahmen bei Energieangebot und -kosten, mit dem die Unternehmen ihre Energieversorgung und Produktionsverfahren Richtung Klimaneutralität umstellen.

DIHK-Präsident Peter Adrian


Die für die Erfüllung der Klimaschutzziele notwendigen Rahmenbedingungen blieben unklar, den Betriebe fehle damit die zentrale Planungsgrundlage für Zukunftsinvestitionen.
Weitere Details zu möglichen Einsparpotenzialen oder Umsetzungsmaßnahmen sowie Infografiken hat der DIHK auf seiner Webseite aufbereitet.

Kontakt

Yvonne Allgeier
Yvonne Allgeier
Referentin Online Redaktion & Mitgliederkommunikation

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