Top-Thema | November 2021

Praktikable Lösungen für die Energiewende gesucht

Bei der Diskussion über die nachhaltige Transformation der Wirtschaft stehen oft Großunternehmen oder innovative Startups im Fokus. Wie gehen aber mittelständische Unternehmen mit der Herausforderung um - insbesondere, wenn sie einer Branche angehören, die bisher im wahrsten Sinne den Sprit für den CO 2-Ausstoß geliefert hat?
Von Annette Wenk
EDi Hohenlohe ist ein gutes Beispiel. Die Geschichte des Unternehmens hat im Jahr 1926 als Kohlenhandlung begonnen. Die Abkürzung EDi steht für Energie-Direkt Hohenlohe GmbH. Als Energiehändler beliefert EDi heute von den Niederlassungen in Öhringen und Ellwangen aus Kunden in Baden-Württemberg mit Kraft- und Brennstoffen. In Hohenlohe gehören zum Unternehmen zudem eigene Tankstellen.
„Die Transformation in unserer Branche wird spannend und heftig“, sagt Geschäftsführer Roland Weissert. „Wir sind mittendrin.“ Beunruhigt klingt er dabei nicht. Mit seinem Team hat er die Herausforderung schon vor vielen Jahren aufgenommen und das Unternehmen auf die Energiewende vorbereitet. „Zum Heizen liefern wir jetzt schon an unsere Kunden mehr Holzpellets als Heizöl“, berichtet er. Da ist die Energiewende schon in vollem Gange.

Klimaneutral mit E-Fuels

Bei den Treibstoffen sieht Roland Weissert noch viel Handlungsbedarf - vor allem bei der Politik. „Wir versuchen gerade, uns im Bereich Kraftstoffe neu aufzustellen,“ sagt er. „Wenn die Politik sagt, wir wollen hin zur E-Mobilität, dann stellt sich natürlich die Frage, was passiert mit den Millionen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, die noch auf den Straßen unterwegs sind.“
Die Lösung sehen Roland Weissert und viele weitere Unternehmen aus der Branche im Einsatz von E-Fuels - klimaneutralen, synthetischen Kraftstoffen. Sie werden mit Hilfe von Ökostrom aus Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid hergestellt. Da beim Fahren mit E-Fuels nur die Menge CO 2 ausgestoßen wird, die zuvor bei ihrer Herstellung der Atmosphäre entnommen wurde, sind Kraftfahrzeuge mit E-Fuels klimaneutral unterwegs. „Es ist nicht der Verbrennungsmotor, der darüber entscheidet, ob ein Auto, Bus oder Lkw klimaneutral fährt oder nicht, sondern der verwendete Kraftstoff“, sagt Roland Weissert.
Die Transformation in unserer Branche wird spannend und heftig 

Geschäftsführer Roland Weissert

Zwei kleine Haken hat diese klimaneutrale Alternative allerdings noch. In Deutschland sind diese Kraftstoffe noch nicht für Straßenfahrzeuge, also Pkw und Lkw zugelassen, wie Roland Weissert erklärt. Und der Kraftstoff ist noch relativ teuer. Mit steigender Nachfrage und entsprechend hohen Absatzmengen dürften die Skalierungseffekte den Preis aber senken. Da für die Produktion der E-Fuels erneuerbare Energien eingesetzt werden, sind Regionen mit viel Wind oder Sonne dafür ideal geeignet. Eine Chance also auch für Länder im Süden oder Nahen Osten.
„Die neue Spritqualität ist in Europa sogar schon genormt“, erklärt Roland Weissert. „In anderen europäischen Ländern sind Kraftstoffe der neuen Norm schon an Tankstellen verfügbar.“ Sein Appell an die Politik: „Lasst doch Wissenschaft und Industrie Lösungen entwickeln und schauen, was sich durchsetzt. Man muss offen für Innovationen sein.“

Weichen stellen

Bis dahin werden im eigenen Unternehmen die Weichen schon gestellt und Nachhaltigkeit groß geschrieben. EDi ist Mitglied in der Allianz für Entwicklung und Klima und nutzt im eigenen Betrieb alle Möglichkeiten, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Vom Ökostrom über die klimaschonende Logistik bis zu Elektrofahrzeugen. Ganz neu ist die Unterstützung für das Projekt „Jeder Tropfen zählt“, eine Initiative der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis, mit der Altspeiseöl als Rohstoff für Biokraftstoff gesammelt werden soll. EDi verkauft hochwertigen Biokraftstoff schon seit 2016. Die Kraftstoffqualität entspricht der Norm für synthetischen Dieselkraftstoff und ist schon in bedeutenden Mengen verfügbar. „Wir versuchen bei uns alles, um das Thema umzusetzen und die entsprechenden Produkte für unsere Kunden anzubieten“, sagt der EDi-Geschäftsführer. „Wir brauchen praktikable Lösungen für die Energiewende.“

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Matthias Marquart
Matthias Marquart
Redakteur | Pressearbeit