Top-Thema | November 2021

Nachhaltigkeit - mehr als ein Schlagwort

Etwas verwirrend ist der üppige Gebrauch des Begriffs Nachhaltigkeit schon. Ob T-Shirt oder Heizung, neues E-Auto oder sogar Reisen. Leicht entsteht der Eindruck, dass „die Nachhaltigkeit“ nur ein Schlagwort oder eine Modeerscheinung ist. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Von Annette Wenk
Nachhaltigkeit stellt grundlegende Fragen, fordert zu langfristig orientiertem Verhalten auf. Ganz einfach lässt sich die zentrale Frage formulieren: Wie wollen wir leben, arbeiten, konsumieren und wirtschaften, damit unser Planet auch in Zukunft den Menschen ein würdiges Dasein mit den dazu notwendigen Ressourcen ermöglichen kann?
Die bewusste Beschäftigung mit dem Thema stellt viele eigene Gewohnheiten in Frage, fordert konsequentes Verhalten, Verzicht statt „weiter so“ aber auch Chancen für Innovationen und neue Geschäftsfelder. Wer sich intensiv mit dem Thema befasst, wird im Idealfall zum Überzeugungstäter. Viele Unternehmen machen es bereits vor. Die Formulierung von Nachhaltigkeitszielen kann Ehrgeiz wecken. Was können wir noch tun, wie können wir uns weiterentwickeln? Nachhaltiges Wirtschaften ist eine globale Herausforderung, das ist keine neue Erkenntnis. Aber jedes Land, jede Kommune, jedes Unternehmen und jede Privatperson, kann mit einzelnen Maßnahmen und Schritten beginnen. Nachhaltigkeit entsteht im Kopf.

Internationaler Orientierungsrahmen

Einen inzwischen international etablierten Orientierungsrahmen bieten die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, die sogenannten Sustainable Development Goals, kurz SDGs. Sie wurden 2015 im Rahmen der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ von den Staats- und Regierungschefs der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen (VN) in New York verabschiedet. Zu den Zielen gehören „keine Armut“, „kein Hunger“ ebenso wie „menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ sowie „nachhaltige Städte und Gemeinden“. Diese Agenda 2030 ist auch Grundlage der Nachhaltigkeitspolitik der Bundesregierung. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung zur Nachhaltigkeitspolitik. Er ist in seiner Tätigkeit unabhängig und wird seit 2001 alle drei Jahre von der Bundesregierung berufen. Ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik an.
Unser Konsum, unsere Mobilität, unsere Wohnungen, unsere Energieerzeugung, unsere Art des Produzierens und unsere Landwirtschaft werden sich ändern müssen.

Dr. Werner Schnappauf

Vieles wird sich ändern müssen

Dr. Werner Schnappauf, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, liefert in einem Interview eine anschauliche Definition, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist: „Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung ist eine positive Vision für die heutigen und zukünftigen Generationen: Wir wollen so leben, arbeiten und wirtschaften, dass sowohl den Menschen von heute als auch jenen von morgen und übermorgen ein gutes Leben auf dieser Erde ermöglicht wird. Das klingt banal, ist es aber nicht. Unser Konsum, unsere Mobilität, unsere Wohnungen, unsere Energieerzeugung, unsere Art des Produzierens und unsere Landwirtschaft werden sich ändern müssen, wenn wir das Ziel der Klimaneutralität im Sinne der Pariser Ankommens und die globalen Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen.“ (Interview auf der Website der Bundesregierung: Nachhaltigkeit als Kompass für die Zukunft
Auf europäischer Ebene hat der „Green Deal“ der EU für Furore gesorgt. Er soll den Übergang zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft schaffen, die bis 2050 keine Netto-Treibhausgase mehr ausstößt, ihr Wachstum von der Ressourcennutzung abkoppelt und niemanden - weder Mensch noch Region - im Stich lässt.

Ökonomie, Ökologie und Soziales im Kontext

Wie lassen sich diese komplexen Zusammenhänge auf die Wirtschaft und einzelne Unternehmen sowie ihre Handlungsoptionen übertragen? Eine Struktur zur Operationalisierung der Nachhaltigkeitsziele und für die Entwicklung einer unternehmensbezogenen Strategie sind die sogenannten drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Verwendet wird auch der Begriff ESG: Environment, Social, Governance. Sie können als Rahmen für die nachhaltige Ausrichtung und Transformation von Unternehmen dienen.
Saori Dubourg, Vorstandsmitglied der BASF SE und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung sagt: „Die Transformation in ein wertebestimmtes und ressourceneffizientes Zeitalter gelingt uns dann, wenn wir gesellschaftliche und ökologische Verantwortung mit ökonomischem Erfolg in einer Verantwortungsebene denken.“
So viel zu den Grundgedanken und Rahmenbedingungen für die nachhaltige Orientierung und Transformation. Aber wie geht das konkret? Wie gehen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Region Heilbronn-Franken mit den Herausforderungen um? Das Gespräch mit Akteuren zeigt: die Herausforderung wird nicht nur angenommen, sie wird in die Unternehmensphilosophie integriert und führt zu überzeugenden Beispielen von nachhaltigem Engagement. Neue Geschäftsmodelle entstehen, bestehende werden angepasst. Die Region richtet sich auf eine nachhaltige Zukunft aus.
Die IHK veranstaltet am 24.11. ein kostenfreies Webinar zum Thema „Sind Sie bereit für den “Green Deal”?” Weitere Informationen sowie die Anmeldung finden Sie auf der IHK-Webseite.


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Matthias Marquart
Matthias Marquart
Redakteur | Pressearbeit