Schwerpunkt | Frauen in Führung

Frauen in Führung - noch keine Selbstverständlichkeit

Eine Bundeskanzlerin, die 16 Jahre lang im Amt war. Ein neues Bundeskabinett, zwar mit einem Bundeskanzler an der Spitze, aber paritätisch mit Frauen und Männern besetzt. Die erste weibliche Doppelspitze für die IHK Heilbronn-Franken. Frauen in Führungspositionen sind sichtbar, aber wie selbstverständlich ist es, dass diese Funktionen weiblich besetzt werden? Und wie sieht es vor allem in der Wirtschaft aus?
Von Annette Wenk
Im August 2020 ist in Deutschland das Zweite Führungspositionengesetz in Kraft getreten. Das Vorgängergesetz hatte schon den Weg für einen festen Anteil von Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen geebnet und damit ganz nebenbei eine erste Quote etabliert. Die Frauenanteile in den Spitzengremien großer Unternehmen in Deutschland sind in den vergangenen Jahren bereits leicht gestiegen. Das stellt das Managerinnen-Barometer des Instituts der Deutschen Wirtschaft fest.
Das neue Gesetz geht nun einen Schritt weiter. Für die Privatwirtschaft werden jetzt ein Mindestbeteiligungsgebot für große Vorstände und verpflichtende Regelungen zu Zielgrößen und Berichtspflichten eingeführt. Besteht der Vorstand eines börsennotierten und zugleich paritätisch mitbestimmten Unternehmens aus mehr als drei Mitgliedern, so muss er künftig mit mindestens einer Frau und mindestens einem Mann besetzt sein. So definiert es das Gesetz. Es schafft zudem die Möglichkeit für Geschäftsleitungsmitglieder, bei Mutterschutz, Elternzeit, Krankheit und Pflege eines Familienangehörigen eine "Auszeit" zu nehmen. Die neuen gesetzlichen Regelungen besitzen eine Signalwirkung. Aber sie beziehen sich nur auf einen relativ eng definierten Kreis von Großunternehmen.

In Baden-Württemberg noch viel Luft nach oben

In Baden-Württemberg und in unserer Region wird damit der Großteil der Unternehmen nicht erfasst. Wie sieht es hier mit Frauen in Führungspositionen aus und welcher Handlungsbedarf besteht? Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat dazu einen Gesellschaftsreport BW mit dem aussagekräftigen Titel „Frauen in Führungspositionen - Chancen und Hemmnisse auf dem Weg durch die gläserne Decke“ veröffentlicht. Die Studie hält, was der Titel verspricht. Auf unser Bundesland bezogen ist die Anzahl und Funktion von Frauen in Führungspositionen noch deutlich ausbaufähig. Der Report formuliert es deutlich: „Frauen sind in Führungspositionen in Baden-Württemberg nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Dies gilt für die Privatwirtschaft, den Öffentlichen Dienst und auch die Politik.
Dabei spielt es offenbar keine Rolle, wie stark sie in der Belegschaft vertreten sind bzw. welchen Anteil sie unter allen Mitbewerbern haben.“ Über alle Branchen liegt der Anteil in Baden-Württemberg bei 29 Prozent. Die Studie untersucht aber nicht nur die absoluten Zahlen von Frauen in Führungspositionen, sondern sie stellt auch Zusammenhänge her zwischen Rollenbildern von Führungspersonen einerseits und Familien- und Frauenbild andererseits. Die Vereinbarkeit von Führungsfunktionen und Familie scheint immer noch eine Hürde zu sein - sowohl bei der eigenen Karriereplanung als auch bei der Auswahl von Führungskräften. Im Vergleich der Bundesländer liegt Baden-Württemberg auf dem viertletzten Platz hinsichtlich des Frauenanteils in Führungspositionen.
Die Anzahl und Funktion von Frauen in Führungspositionen ist noch deutlich ausbaufähig.

GesellschaftsReport BW

Diversität als Erfolgsfaktor

So weit, so kritisch. Sieht es wirklich so düster aus für Frauen in Führungspositionen? Nein, es gibt durchaus mehrere Hoffnungsschimmer. Die Fach- und Führungsqualität von Frauen, die den Durchbruch der gläsernen Decke geschafft haben, steht außer Frage. Eine Untersuchung der Boston Consulting Group zusammen mit der TUM und der Deutschen Börse Group attestiert den Führungsfrauen nicht nur Leistungsfähigkeit und Ausdauer. Diversität auf der Führungsebene führt durchaus auch zu einer besseren Performance am Aktienmarkt.

Karriere ist individuell

Und wie sehen Führungsfrauen selbst die Herausforderungen? Was halten sie persönlich für sinnvoll und hilfreich? Welchen Weg sind sie gegangen und wie unterstützen sie junge Kolleginnen? in der Region Heilbronn-Franken finden sich dafür gute Beispiele. Von der Hochschulprofessorin über die engagierten Netzwerkerinnen bis zum Mentee bei den ersten Karriereschritten. Bei allen Studien und Statistiken wird eines klar. Frauen müssen ihren Weg selbst planen, gehen und sich auch durchsetzen. Gesetzliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sind notwendig. Aber die Karriere ist individuell.

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Matthias Marquart
Matthias Marquart
Redakteur | Pressearbeit

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