Schwerpunkt | Frauen in Führung

Das Thema bekommt jetzt erst Drive

Frauen in Führung - dieses Thema hat sich Prof. Ruth Fleuchaus schon lange zu einem persönlichen Anliegen gemacht. In ihrer beruflichen Laufbahn an der Hochschule Heilbronn hat sie sich selbst als Führungsfrau positionieren und in einer oft noch von Männern dominierten Umgebung durchsetzen müssen. Vor gut zehn Jahren hat sie das Cross-Mentoringprogramm WoMent an der Hochschule auf den Weg gebracht. wnews sprach mit Prof. Ruth Fleuchaus.

Frau Prof. Fleuchaus, wie relevant ist das Thema „Frauen in Führung“ heute? Sind Frauen in Führungspositionen vielleicht inzwischen eine Selbstverständlichkeit?

Frauen in Führungspositionen sind leider immer noch keine Selbstverständlichkeit. Das Thema bekommt erst noch richtig Drive. Man spricht nicht gerne über die Quote, aber wir brauchen sie erst dann nicht mehr, wenn genug Frauen in Führungspositionen sind. Auch in den mittelständischen Unternehmen in unserer Region besteht noch Nachholbedarf.
Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn die Erfahrung gemacht, dass es leichter wird, wenn die ersten Frauen auf der Führungsebene angekommen sind. In Berufungsverfahren an der Hochschule wurden früher in den Technikstudiengängen Männer von Männern ausgewählt. Als die ersten Frauen aufgenommen wurden, wurde es gängiger auch weitere Stellen mit Kandidatinnen zu besetzen. Das ist dann der Unterschied zwischen „social desirability“ und der Praxis.
Man spricht nicht gerne über die Quote, aber wir brauchen sie erst dann nicht mehr, wenn genug Frauen in Führungspositionen sind.

Prof. Ruth Fleuchaus

Wie sieht es nach Berufsbildern und Studiengängen aus?

In den technischen Studiengängen haben wir deutlich zu wenige Frauen. Diese fehlende Neigung zu Technikthemen wird schon im Kindergarten angelegt. Seit eh und je ist es ein Thema, dass bei jungen Frauen weniger Affinität zu den technischen Studiengängen festzustellen ist, trotz aller Bemühungen und Initiativen für Mädchen und Frauen in MINT Bereichen.
Der nächste Punkt ist: wie bekommt man Frauen nach ihrem Bachelorabschluss auf den Weg zu einer Karriere - auch vor dem familiären Hintergrund und entsprechenden Rollenbildern. Seit Bologna 2004 wird der Master als aufbauender Studiengang immer selbstverständlicher, auch für Frauen.
Prof. Ruth Fleuchaus
Prof. Ruth Fleuchaus ist Prorektorin Internationales und Diversität, Professorin im Studiengang Weinmarketing und Management an der Hochschule Heilbronn. © Hochschule Heilbronn

Welche Rolle spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Es kann schwierig werden, wenn Kinder kommen oder eine Pflegesituation in der Familie eintritt. Mein Appell an junge Frauen ist aber: geht nicht aus dem Job raus, wenn Kinder kommen. Danach besteht eine große Gefahr in die „Teilzeitfalle“ zu geraten. Das kann zu einem echten Karriereknick führen. Es ist sicher nicht einfach, Familie und Beruf zu vereinbaren, auch wenn es heute Elternzeit für Mütter und Väter gibt. Die Situation wird sich erst ändern, wenn Elternzeit und danach auch die Kinderbetreuung nicht mehr nur Angelegenheit der Mütter ist. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Haben Sie einen Rat für junge Kolleginnen und Berufseinsteigerinnen?

Es kommt sehr darauf an, in welches Umfeld junge Frauen kommen, beispielsweise wie viele Frauen im Unternehmen schon in verantwortlichen Positionen sind. Aber abgesehen davon ist Leistung immer eine wesentliche Voraussetzung. Zuverlässigkeit ist wichtig und ich rate dazu, zielstrebig zu sein. Natürlich kommt es auch immer auf den jeweiligen Charakter an. Und eine Portion Glück gehört ebenfalls dazu.

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Matthias Marquart
Matthias Marquart
Redakteur | Pressearbeit