30.06.2021

Übersicht zu Corona-Hilfen für Unternehmen

Die Corona-Krise hat die regionale Wirtschaft in starkem Maße getroffen. Bund und Land unterstützen deshalb mit verschiedenen Maßnahmen und Programmen die Unternehmen bei der Bewältigung der Auswirkungen.

1. Finanzielle Hilfen der KfW

Das Bundesförderinstitut KfW versorgt die Unternehmen mit Liquidität. Die KfW nutzt dazu bestehende Förderprogramme. Die Antragstellung muss über ein Kreditinstitut (Hausbank) erfolgen. Der KfW-Schnellkredit richtet sich an Unternehmen, die eine rasche finanzielle Hilfe benötigen. Der Kredit wird zu 100 Prozent durch eine Garantie des Bundes abgesichert. 
Das KfW-Sonderprogramm 2020 steht sowohl kleinen, mittelständischen Unternehmen als auch Großunternehmen zur Verfügung. Niedrige Zinssätze und eine vereinfachte Risikoprüfung der KfW bei Krediten bis zu 3 Mio. Euro schaffen weitere Erleichterung für die Wirtschaft. Eine Haftungsfreistellung durch die KfW von bis zu 90 Prozent erleichtert Banken und Sparkassen die Kreditvergabe. Das KfW-Sonderprogramm wird über den KfW-Unternehmerkredit und den ERP-Gründerkredit – Universell umgesetzt. 

2. Unterstützung von L-Bank und Bürgschaftsbank

Zur Deckung von kurzfristigem Liquiditätsbedarf stehen der Liquiditätskredit bzw. die Programmvariante Liquiditätskredit Plus sowie weitere Finanzierungsangebote der L-Bank Baden-Württemberg zur Verfügung. Der "Liquiditätskredit Plus" der L-Bank bietet neben dem Förderdarlehen ergänzende Hilfe mit einem Tilgungszuschuss. 
Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg kann Bürgschaften bis zu einer Höhe von 2,5 Millionen Euro übernehmen (für darüber hinaus gehende Bürgschaftsbeträge ist die L-Bank zuständig). Bürgschaften der Bürgschaftsbank können bis 80 Prozent des Kreditrisikos abdecken und müssen über ein Kreditinstitut beantragt werden. Für corona-bedingte Kredite (sowohl Förderdarlehen der L-Bank als auch Hausbankkredite) bis zu einer Höhe von 250.000 Euro kann die Bürgschaftsbank bis 90 Prozent des Kreditbetrags übernehmen. Über das Finanzierungsportal "ermoeglicher.de" der deutschen Bürgschaftsbanken können Unternehmer Bürgschaftsanfragen für ihr Finanzierungsvorhaben auf digitalem Weg stellen und erhalten eine schnelle Ersteinschätzung durch die Bürgschaftsbank zur Machbarkeit des Vorhabens.
Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten können Sofortbürgschaften der Bürgschaftsbank beantragen. Dies ist auf zwei Wegen möglich: Über das Finanzierungsportal ermoeglicher.de können Unternehmen bei positiver Prüfung eine elektronische Vorabzusage für eine Sofortbürgschaft in Höhe von 90 Prozent für einen Kredit bis zu 250.000 Euro erhalten. Eine Erhöhung auf 100 Prozent ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Daneben ist der Antragsweg über das klassische Hausbankverfahren möglich. Hier beantragt die Hausbank eine Bürgschaft in Höhe von 90 Prozent für ein Darlehen bis zu 125.000 Euro. Für eine spätere weitere Finanzierung (bis max. 125.000 Euro) kann sie auf Wunsch eine Bürgschaft in Höhe von 100 Prozent erhalten.

3. Überbrückungshilfe III

Unternehmen, die von der Corona Pandemie stark betroffen sind, können staatliche Unterstützung in Höhe von monatlich bis 1,5 Millionen Euro im Rahmen der Überbrückungshilfe III erhalten. Antragsberechtigt ist ein Unternehmen, das in einem Monat einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 zu verzeichnen hat. Die Überbrückungshilfe III kann für jeden Monat beantragt werden, in dem ein entsprechender Umsatzeinbruch vorliegt. Der Förderzeitraum umfasst November 2020 bis Juni 2021.
Die konkrete Höhe der Zuschüsse orientiert sich am Rückgang des Umsatzes im Vergleich zum entsprechenden Monat des Jahres 2019 und ist gestaffelt:
  • bei einem Umsatzrückgang von 30 Prozent bis 50 Prozent werden bis zu 40 Prozent der förderfähigen Fixkosten erstattet
  • bei einem Umsatzrückgang von 50 Prozent bis 70 Prozent werden bis zu 60 Prozent der förderfähigen Fixkosten erstattet 
  • bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent werden bis zu 100 Prozent der förderfähigen Fixkosten gezahlt.
Für den gesamten Förderzeitraum der Überbrückungshilfe III (November 2020 bis Juni 2021) können Unternehmen Abschlagszahlungen bis zu einer Höhe von maximal 800.000 Euro erhalten.
Die Antragsfrist bei der Überbrückungshilfe III wurde bis zum 31. Oktober 2021 verlängert. Eine Abschlagszahlung ist nur bei Neuanträgen möglich, die bis zum 30. Juni 2021 eingehen.
Neuer Eigenkapitalzuschuss
Alle Unternehmen mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in mindestens drei Monaten im Zeitraum von November 2020 bis Juni 2021 erhalten zusätzlich zur regulären Förderung einen Eigenkapitalzuschuss. Dieser beträgt bis zu 40 Prozent des Betrags, den ein Unternehmen für die förderfähigen Fixkosten nach Nr. 1 bis 11 erstattet bekommt (vgl. FAQ zur Überbrückungshilfe III). Der Eigenkapitalzuschuss ist gestaffelt und steigt an, je länger Unternehmen einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent erlitten haben. Gezahlt wird er ab dem dritten Monat des Umsatzeinbruchs und beträgt in diesem Monat 25 Prozent. Im vierten Monat mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent erhöht sich der Zuschlag auf 35 Prozent; bei fünf oder mehr Monaten erhöht er sich noch einmal auf 40 Prozent pro Monat. 
Fiktiver Unternehmerlohn wird fortgesetzt
Das Land Baden-Württemberg gewährt Inhabern von Personengesellschaften und Einzelunternehmen einen fiktiven Unternehmerlohn mit einem pauschalen Festbetrag in Höhe von 1.000 Euro pro Monat für den Zeitraum Januar bis Juni 2021, sofern ein Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 vorliegt. Anträge für den fiktiven Unternehmerlohn können seit dem 18. Mai 2021 im Rahmen der Antragstellung auf Überbrückungshilfe III über die Plattform des Bundes gestellt werden. Wurde die Überbrückungshilfe III bereits bewilligt, kann der fiktive Unternehmerlohn auch nachträglich über einen Änderungsantrag beantragt werden.
Härtefallhilfen des Landes
Mit der Überbrückungshilfe III des Bundes, der landesseitigen Ergänzung durch den fiktiven Unternehmerlohn sowie der flankierenden Neustarthilfe wurde für wirtschaftlich in Not geratene Unternehmen und Selbständige ein umfassendes  Unterstützungsangebot geschaffen. Für Unternehmen, die im Ausnahmefall trotz der Verbesserungen keinen Zugang zu diesen Hilfsprogrammen haben, stehen nun die Härtefallhilfen des Landes zur Verfügung. Diese orientieren sich in ihrer Höhe grundsätzlich an den förderfähigen Fixkosten der Überbrückungshilfe III und sollen im Regelfall 100.000 Euro nicht übersteigen. Anträge auf Härtefallhilfe können über die gemeinsame Antragsplattform der Länder durch prüfende Dritte gestellt werden. Dabei muss dargestellt werden, inwieweit eine Existenzbedrohung des Unternehmens vorliegt, jedoch kein anderes Hilfsprogramm des Bundes, des Landes oder der Kommune in Anspruch genommen werden kann.

4. Neustarthilfe für Soloselbständige

Für die Neustarthilfe antragsberechtigt sind selbständig erwerbstätige Soloselbständige aller Branchen, wenn sie ihre selbstständige Tätigkeit im Haupterwerb ausüben und weniger als eine Angestellte bzw. einen Angestellten (Vollzeit-Äquivalent) beschäftigen, und deren wirtschaftliche Tätigkeit im Förderzeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2021 Corona-bedingt eingeschränkt ist. 
Die Neustarthilfe erhalten können Soloselbständige, die nur geringe betriebliche Fixkosten haben und für welche die Fixkostenerstattung im Rahmen der Überbrückungshilfe III daher nicht in Frage kommt. Eine gleichzeitige Inanspruchnahme der Überbrückungshilfe III und der Neustarthilfe ist nicht möglich.
Die Neustarthilfe beträgt einmalig 50 Prozent eines sechsmonatigen Referenzumsatzes, maximal aber 7.500 Euro. Die volle Neustarthilfe wird gewährt, wenn der Umsatz des Soloselbständigen während des Förderzeitraums Januar 2021 bis Juni 2021 im Vergleich zum Referenzumsatz um mehr als 60 Prozent zurückgegangen ist. Der Referenzumsatz ist im Normalfall das Sechsfache des durchschnittlichen monatlichen Umsatzes des Jahres 2019.
Die Antragsfrist wurde bis zum 31. Oktober 2021 verlängert. Die Neustarthilfe wird als Vorschuss ausgezahlt. Die Begünstigten verpflichten sich bei Beantragung zu einer Endabrechnung durch Selbstprüfung nach Ablauf des Förderzeitraums. Sollte der Umsatz während der sechsmonatigen Laufzeit bei mehr als 40 Prozent des sechsmonatigen Referenzumsatzes liegen, sind die Vorschusszahlungen anteilig zurückzuzahlen. Liegt der erzielte Umsatz bei 90 Prozent oder mehr, so ist die Neustarthilfe vollständig zurückzuzahlen. Zur Bekämpfung von Subventionsbetrug finden stichprobenhaft Nachprüfungen statt.
Die Auszahlung der Neustarthilfe erfolgt in der Regel wenige Tage nach Antragstellung. Die Neustarthilfe wird wie die anderen Zuwendungen aus der Überbrückungshilfe als steuerbarer Zuschuss gewährt und nicht auf die Grundsicherung angerechnet.

5. Tilgungszuschuss Corona

Der Tilgungszuschuss Corona für das Schaustellergewerbe und die Marktkaufleute, die Veranstaltungs-, Messe- und Eventbranche sowie das Taxi- und Mietwagengewerbe wird im Jahr 2021 mit deutlich verbesserten Förderbedingungen fortgeführt.
So wurde beispielsweise die maximale Förderhöhe von bislang 150.000 Euro auf 300.000 Euro pro Betrieb verdoppelt. Darüber hinaus wurden weitere von der Corona-Krise hart betroffene Branchen der personen-, erlebnis- und freizeitorientierten Dienstleistungen in die Förderung einbezogen.
Die Unternehmen werden mit einem direkten Zuschuss zu den Tilgungsraten für betriebliche Kredite, für Raten aus Mietkaufverträgen und Leasingverträgen („Finanzierungsleasing“), bei denen das Wirtschaftsgut dem Mieter bzw. Leasingnehmer zugerechnet wird, sowie für Geldmarktdarlehen unterstützt.
Gefördert werden die Tilgungsraten von Januar 2021 bis Juni 2021. Die Antragsfrist endet am 31. August 2021.