01.04.2021

Übersicht zu Finanzierungshilfen für Unternehmen

Die Corona-Krise hat die regionale Wirtschaft in starkem Maße getroffen. Bund und Land unterstützen deshalb mit verschiedenen Maßnahmen und Programmen die Unternehmen bei der Bewältigung der Auswirkungen.

1. Finanzielle Hilfen der KfW

Das Bundesförderinstitut KfW versorgt die Unternehmen mit Liquidität. Die KfW nutzt dazu bestehende Förderprogramme. Die Antragstellung muss über ein Kreditinstitut (Hausbank) erfolgen. Der KfW-Schnellkredit richtet sich an Unternehmen, die eine rasche finanzielle Hilfe benötigen. Der Kredit wird zu 100 Prozent durch eine Garantie des Bundes abgesichert. 
Das KfW-Sonderprogramm 2020 steht sowohl kleinen, mittelständischen Unternehmen als auch Großunternehmen zur Verfügung. Niedrige Zinssätze und eine vereinfachte Risikoprüfung der KfW bei Krediten bis zu 3 Mio. Euro schaffen weitere Erleichterung für die Wirtschaft. Eine Haftungsfreistellung durch die KfW von bis zu 90 Prozent erleichtert Banken und Sparkassen die Kreditvergabe. Das KfW-Sonderprogramm wird über den KfW-Unternehmerkredit und den ERP-Gründerkredit - Universell umgesetzt. 

2. Unterstützung von L-Bank und Bürgschaftsbank

Zur Deckung von kurzfristigem Liquiditätsbedarf stehen der Liquiditätskredit bzw. die Programmvariante Liquiditätskredit Plus sowie weitere Finanzierungsangebote der L-Bank Baden-Württemberg zur Verfügung. Der "Liquiditätskredit Plus" der L-Bank bietet neben dem Förderdarlehen ergänzende Hilfe mit einem Tilgungszuschuss. 
Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg kann Bürgschaften bis zu einer Höhe von 2,5 Millionen Euro übernehmen (für darüber hinaus gehende Bürgschaftsbeträge ist die L-Bank zuständig). Bürgschaften der Bürgschaftsbank können bis 80 Prozent des Kreditrisikos abdecken und müssen über ein Kreditinstitut beantragt werden. Für corona-bedingte Kredite (sowohl Förderdarlehen der L-Bank als auch Hausbankkredite) bis zu einer Höhe von 250.000 Euro kann die Bürgschaftsbank bis 90 Prozent des Kreditbetrags übernehmen. Über das Finanzierungsportal "ermoeglicher.de" der deutschen Bürgschaftsbanken können Unternehmer Bürgschaftsanfragen für ihr Finanzierungsvorhaben auf digitalem Weg stellen und erhalten eine schnelle Ersteinschätzung durch die Bürgschaftsbank zur Machbarkeit des Vorhabens.
Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten können Sofortbürgschaften der Bürgschaftsbank beantragen. Dies ist auf zwei Wegen möglich: Über das Finanzierungsportal ermoeglicher.de können Unternehmen bei positiver Prüfung eine elektronische Vorabzusage für eine Sofortbürgschaft in Höhe von 90 Prozent für einen Kredit bis zu 250.000 Euro erhalten. Eine Erhöhung auf 100 Prozent ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Daneben ist der Antragsweg über das klassische Hausbankverfahren möglich. Hier beantragt die Hausbank eine Bürgschaft in Höhe von 90 Prozent für ein Darlehen bis zu 125.000 Euro. Für eine spätere weitere Finanzierung (bis max. 125.000 Euro) kann sie auf Wunsch eine Bürgschaft in Höhe von 100 Prozent erhalten.

3. Überbrückungshilfe III

Unternehmen, die von der Corona Pandemie stark betroffen sind, können staatliche Unterstützung in Höhe von monatlich bis 1,5 Millionen Euro im Rahmen der Überbrückungshilfe III erhalten. Antragsberechtigt ist ein Unternehmen, das in einem Monat einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 zu verzeichnen hat. Die Überbrückungshilfe III kann für jeden Monat beantragt werden, in dem ein entsprechender Umsatzeinbruch vorliegt. Der Förderzeitraum umfasst November 2020 bis Juni 2021.
Die konkrete Höhe der Zuschüsse orientiert sich am Rückgang des Umsatzes im Vergleich zum entsprechenden Monat des Jahres 2019 und ist gestaffelt:
  • bei einem Umsatzrückgang von 30 Prozent bis 50 Prozent werden bis zu 40 Prozent der förderfähigen Fixkosten erstattet
  • bei einem Umsatzrückgang von 50 Prozent bis 70 Prozent werden bis zu 60 Prozent der förderfähigen Fixkosten erstattet 
  • bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent werden bis zu 90 Prozent der förderfähigen Fixkosten gezahlt.
Für den gesamten Förderzeitraum der Überbrückungshilfe III (November 2020 bis Juni 2021) können Unternehmen Abschlagszahlungen bis zu einer Höhe von maximal 800.000 Euro erhalten.

4. Neustarthilfe für Soloselbständige

Für die Neustarthilfe antragsberechtigt sind selbständig erwerbstätige Soloselbständige aller Branchen, wenn sie ihre selbstständige Tätigkeit im Haupterwerb ausüben und weniger als eine Angestellte bzw. einen Angestellten (Vollzeit-Äquivalent) beschäftigen, und deren wirtschaftliche Tätigkeit im Förderzeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2021 Corona-bedingt eingeschränkt ist. 
Die Neustarthilfe erhalten können Soloselbständige, die nur geringe betriebliche Fixkosten haben und für welche die Fixkostenerstattung im Rahmen der Überbrückungshilfe III daher nicht in Frage kommt. Eine gleichzeitige Inanspruchnahme der Überbrückungshilfe III und der Neustarthilfe ist nicht möglich.
Die Neustarthilfe beträgt einmalig 50 Prozent eines sechsmonatigen Referenzumsatzes, maximal aber 7.500 Euro. Die volle Neustarthilfe wird gewährt, wenn der Umsatz des Soloselbständigen während des Förderzeitraums Januar 2021 bis Juni 2021 im Vergleich zum Referenzumsatz um mehr als 60 Prozent zurückgegangen ist. Der Referenzumsatz ist im Normalfall das Sechsfache des durchschnittlichen monatlichen Umsatzes des Jahres 2019.
Anträge können einmalig bis zum 31. August 2021 gestellt werden. Die Neustarthilfe wird als Vorschuss ausgezahlt. Die Begünstigten verpflichten sich bei Beantragung zu einer Endabrechnung durch Selbstprüfung nach Ablauf des Förderzeitraums. Sollte der Umsatz während der sechsmonatigen Laufzeit bei mehr als 40 Prozent des sechsmonatigen Referenzumsatzes liegen, sind die Vorschusszahlungen anteilig zurückzuzahlen. Liegt der erzielte Umsatz bei 90 Prozent oder mehr, so ist die Neustarthilfe vollständig zurückzuzahlen. Zur Bekämpfung von Subventionsbetrug finden stichprobenhaft Nachprüfungen statt.
Die Auszahlung der Neustarthilfe erfolgt in der Regel wenige Tage nach Antragstellung. Die Neustarthilfe wird wie die anderen Zuwendungen aus der Überbrückungshilfe als steuerbarer Zuschuss gewährt und nicht auf die Grundsicherung angerechnet.

5. Novemberhilfe und Dezemberhilfe

Die Unterstützung im Rahmen der Novemberhilfe und Dezemberhilfe hilft stark betroffenen Unternehmen und Selbstständigen, die von den temporären Schließungen direkt, indirekt oder mittelbar betroffen sind. Direkt Betroffene im November sind Unternehmen und Soloselbständige, die auf Grundlage des Beschlusses von Bund und Ländern vom 28. Oktober 2020 den Geschäftsbetrieb einstellen mussten.
Direkt Betroffene im Dezember sind Unternehmen und Soloselbständige, die aufgrund der auf Grundlage des Beschlusses von Bund und Ländern vom 28. Oktober 2020 erlassenen Schließungsverordnungen der Länder den Geschäftsbetrieb bereits im November einstellen mussten und auf Grundlage der Beschlüsse von Bund und Ländern vom 25. November 2020 und vom 2. Dezember 2020 auch im Dezember noch von diesen Schließungen betroffen waren. 
Indirekt Betroffene sind Unternehmen und Soloselbständige, die nachweislich und regelmäßig mindestens 80 Prozent ihrer Umsätze mit direkt von den oben genannten Maßnahmen betroffenen Unternehmen erzielen. Über Dritte Betroffene sind Unternehmen und Soloselbständige, die regelmäßig mindestens 80 Prozent ihrer Umsätze durch Lieferungen und Leistungen im Auftrag direkt von den Maßnahmen betroffener Unternehmen über Dritte erzielen.
Direkt und indirekt Betroffene erhalten für den Zeitraum der Schließungen Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des Vergleichsumsatzes aus dem Jahr 2019 anteilig für die Anzahl an Tagen der Schließung im November bzw. Dezember 2020.
Die Antragstellung erfolgt über die Plattform der Überbrückungshilfe. Anträge für Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe können bis zum 30. April 2021 gestellt werden. Die Antragstellung erfolgt im Regelfall durch prüfende Dritte ( u. a. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer). Soloselbstständige, die bisher keine Überbrückungshilfe beantragt haben, sind bis zu einem Förderhöchstsatz von 5.000 Euro direkt antragsberechtigt.

6. Stabilisierungshilfe II für Hotels und Gaststätten

Das Land hat die Stabilisierungshilfe Corona für das Hotel- und Gaststättengewerbe als existenzsichernde Alternative zur Überbrückungshilfe III des Bundes für das erste Quartal 2021 verlängert. Die Stabilisierungshilfe II steht denjenigen Betrieben des Gastgewerbes zur Verfügung, deren Fortbestand mit der Überbrückungshilfe III nicht gewährleistet werden kann. Anträge können bis zum 28. April 2021 gestellt werden.
Antragsberechtigt sind Unternehmen mit Hauptsitz in Baden-Württemberg, die wenigstens 30 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Tätigkeiten im Hotel- und Gaststättengewerbe erzielen. Die Förderung errechnet sich über die Beschäftigtenzahl im Unternehmen und wird bis zur vollen Höhe des Liquiditätsengpasses im beantragten Förderzeitraum gewährt. Die Liquiditätsberechnung muss von einer prüfenden dritten Person bescheinigt werden (beispielsweise einem Steuerberater). Als neue Antragsvoraussetzung gilt, dass der Zuschuss aus der Stabilisierungshilfe II mindestens 10 Prozent über dem rechnerischen Zuschuss der Überbrückungshilfe III liegen muss. Außerdem dürfen Antragstellende im selben Zeitraum nicht sowohl Stabilisierungshilfe II als auch Überbrückungshilfe III beantragen. 
Antragsberechtigt sind Unternehmen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, die unmittelbar infolge der Corona-Pandemie in einen Liquiditätsengpass geraten sind. Ein solcher Liquiditätsengpass liegt vor, wenn die Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb nicht ausreichen, um die laufenden Sach-, Personal- und Finanzkosten zu decken. Als Förderzeitraum kann ein bis zu dreimonatiger Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2021 und dem 31. März 2021 gewählt werden.
Betriebe, die mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes erzielen, erhalten eine Liquiditätshilfe in Höhe von bis zu 3.000 Euro zuzüglich 2.000 Euro für jeden Beschäftigten (Vollzeitäquivalente). Für Betriebe, die zwischen mindestens 30 und 50 Prozent ihres Umsatzes im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes erwirtschaften, ist eine Förderung von bis zu 2.000 Euro zuzüglich 1.000 Euro für jeden Beschäftigten (Vollzeitäquivalente) vorgesehen. Die Förderung wird bis zur vollen Höhe des im Antragszeitraum nachgewiesenen Liquiditätsengpasses ausgezahlt.