10.11.2020

Übersicht zu Finanzierungshilfen für Unternehmen

Die Corona-Krise hat die regionale Wirtschaft in starkem Maße getroffen. Bund und Land unterstützen deshalb mit verschiedenen Maßnahmen und Programmen die Unternehmen bei der Bewältigung der Auswirkungen.
Finanzielle Hilfen der KfW
Das Bundesförderinstitut KfW versorgt die Unternehmen mit Liquidität. Die KfW nutzt dazu bestehende Förderprogramme. Die Antragstellung muss über ein Kreditinstitut (Hausbank) erfolgen. Der KfW-Schnellkredit richtet sich an Unternehmen, die eine rasche finanzielle Hilfe benötigen. Der Kredit wird zu 100 Prozent durch eine Garantie des Bundes abgesichert. 
Das KfW-Sonderprogramm 2020 steht sowohl kleinen, mittelständischen Unternehmen als auch Großunternehmen zur Verfügung. Niedrige Zinssätze und eine vereinfachte Risikoprüfung der KfW bei Krediten bis zu 3 Mio. Euro schaffen weitere Erleichterung für die Wirtschaft. Eine Haftungsfreistellung durch die KfW von bis zu 90 Prozent erleichtert Banken und Sparkassen die Kreditvergabe. Das KfW-Sonderprogramm wird über den KfW-Unternehmerkredit und den ERP-Gründerkredit - Universell umgesetzt. 
Unterstützung von L-Bank und Bürgschaftsbank
Zur Deckung von kurzfristigem Liquiditätsbedarf stehen der Liquiditätskredit bzw. die Programmvariante Liquiditätskredit Plus sowie weitere Finanzierungsangebote der L-Bank Baden-Württemberg zur Verfügung. Diese Förderkredite müssen bei einem Kreditinstitut beantragt werden. Der "Liquiditätskredit Plus" der L-Bank bietet neben dem Förderdarlehen ergänzende Hilfe mit einem Tilgungszuschuss. 
Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg kann Bürgschaften bis zu einer Höhe von 2,5 Millionen Euro übernehmen (für darüber hinaus gehende Bürgschaftsbeträge ist die L-Bank zuständig). Bürgschaften der Bürgschaftsbank können bis 80 Prozent des Kreditrisikos abdecken und müssen über ein Kreditinstitut beantragt werden. Für corona-bedingte Kredite (sowohl Förderdarlehen der L-Bank als auch Hausbankkredite) bis zu einer Höhe von 250.000 Euro kann die Bürgschaftsbank bis 90 Prozent des Kreditbetrags übernehmen. Über das Finanzierungsportal "ermoeglicher.de" der deutschen Bürgschaftsbanken können Unternehmer Bürgschaftsanfragen für ihr Finanzierungsvorhaben auf digitalem Weg stellen und erhalten eine schnelle Ersteinschätzung durch die Bürgschaftsbank zur Machbarkeit des Vorhabens.
Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten können Sofortbürgschaften der Bürgschaftsbank beantragen. Dies ist auf zwei Wegen möglich: Über das Finanzierungsportal ermoeglicher.de können Unternehmen bei positiver Prüfung eine elektronische Vorabzusage für eine Sofortbürgschaft in Höhe von 90 Prozent für einen Kredit bis zu 250.000 Euro erhalten. Eine Erhöhung auf 100 Prozent ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Daneben ist der Antragsweg über das klassische Hausbankverfahren möglich. Hier beantragt die Hausbank eine Bürgschaft in Höhe von 90 Prozent für ein Darlehen bis zu 125.000 Euro. Für eine spätere weitere Finanzierung (bis max. 125.000 Euro) kann sie auf Wunsch eine Bürgschaft in Höhe von 100 Prozent erhalten.
Stabilisierungshilfe Corona für das Hotel- und Gaststättengewerbe
Die Stabilisierungshilfe wird für gewerbliche Unternehmen, Soloselbständige und Sozialunternehmen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe gewährt, die unmittelbar infolge der Corona-Pandemie in Liquiditätsengpässe geraten sind. Betroffene Betriebe erhalten für einen Zeitraum von drei Monaten eine einmalige Liquiditätshilfe in Höhe von bis zu 3.000 Euro zuzüglich 2.000 Euro für jeden Beschäftigten.
Die Landesregierung hat die Verlängerung und Ausweitung der Stabilisierungshilfe Corona für das Hotel- und Gaststättengewerbe beschlossen. Anträge können bis 15. Dezember 2020 gestellt werden.Unterstützt werden auch solche Betriebe, die zwischen mindestens 30 und 50 Prozent ihres Umsatzes im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes erzielen. Sie erhalten für einen Zeitraum von drei Monaten eine einmalige Liquiditätshilfe in Höhe von bis zu 2.000 Euro zuzüglich 1.000 Euro für jeden Beschäftigten (Vollzeitäquivalente).
Überbrückungshilfe Corona des Bundes und Neustarthilfe
Die Überbrückungshilfe Corona bietet finanzielle Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbständige, die durch die Corona-Krise Umsatzrückgänge zu verzeichnen haben. Für die erste Phase der Überbrückungshilfe (Fördermonate Juni bis August 2020) können keine Anträge mehr gestellt werden.
Anträge für die Überbrückungshilfe II können auf der Antragsplattform des Bundes gestellt werden. Die Überbrückungshilfe II umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020. Die Antragsfrist endet am 31. Dezember 2020. Anträge können nur über einen prüfenden Dritten (Steuerberater und Steuerberaterinnen, Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüferinnen, vereidigte Buchprüfer und vereidigte Buchprüferinnen oder Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen) gestellt werden.
Antragsberechtigt sind kleine und mittelständische Unternehmen mit entweder einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 % in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten oder einem Umsatzeinbruch von mindestens 30 % im Durchschnitt in den Monaten April bis August 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Überbrückungshilfe besteht aus einem nicht rückzahlbaren Zuschuss und erstattet einen Anteil in Höhe von 90 % der Fixkosten bei mehr als 70 % Umsatzeinbruch, 60 % der Fixkosten bei Umsatzeinbruch zwischen 50 % und 70 %, 40 % der Fixkosten bei Umsatzeinbruch von mehr als 30 % und unter 50 % im jeweiligen Fördermonat im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zuschüsse sind bis zu 50.000 Euro monatlich möglich. Die ergänzende Förderung des Landes durch einen fiktiven Unternehmerlohn wird fortgesetzt.
Die Überbrückungshilfe II läuft derzeit noch bis zum 31. Dezember 2020. Sie soll als Überbrückungshilfe III bis Ende Juni 2021 verlängert und erweitert werden. Bei der Höhe sind anstelle von bislang max. 50.000 Euro pro Monat künftig bis zu max. 200.000 Euro pro Monat Betriebskostenerstattung möglich. Soloselbständige, zum Beispiel aus dem Kunst- und Kulturbereich, sollen künftig eine einmalige Betriebskostenpauschale von bis zu 5.000 Euro für den Zeitraum bis Ende Juni 2021 als steuerbaren Zuschuss erhalten können. 
Antragsberechtigt für diese Neustarthilfe sind Soloselbständige, die ansonsten im Rahmen der Überbrückungshilfe III keine Fixkosten geltend machen bzw. geltend machen können und die ihr Einkommen im Referenzzeitraum (im Normalfall das Jahr 2019) zu mindestens 51 Prozent aus selbständiger Tätigkeit erzielt haben. Die volle Betriebskostenpauschale wird gewährt, wenn der Umsatz des Soloselbständigen während der siebenmonatigen Laufzeit Dezember 2020 bis Juni 2021 im Vergleich zu einem siebenmonatigen Referenzumsatz 2019 um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist. Die Betriebskostenpauschale beträgt einmalig 25 Prozent des siebenmonatigen Referenzumsatzes, maximal aber 5.000 Euro. Auf Leistungen der Grundsicherung und ähnliche Leistungen ist die Neustarthilfe aufgrund ihrer Zweckbindung nicht anzurechnen.
Außerordentliche Wirtschaftshilfe - Novemberhilfe
Die außerordentliche Wirtschaftshilfe für den Monat November 2020 bietet eine weitere zentrale Unterstützung. Antragsberechtigt sind solche Unternehmen, die aufgrund des Beschlusses des Bundes und der Länder vom 28. Oktober 2020 den Geschäftsbetrieb einstellen mussten. Hotels sind ebenfalls antragsberechtigt. Antragsberechtigt sind auch Unternehmen, die indirekt stark betroffen sind. Dies gilt für Unternehmen, die regelmäßig 80 Prozent ihrer Umsätze mit direkt von den Schließungsmaßnahmen betroffenen Unternehmen erzielen. Für Unternehmen, die nicht direkt oder indirekt von den Schließungsmaßnahmen betroffen sind, aber dennoch hohe Umsatzeinbrüche im November 2020 im Vergleich zum Vorjahr haben, wird es Hilfen im Rahmen der Überbrückungshilfe III geben. 
Mit der Novemberhilfe werden Zuschüsse pro Woche der Schließungen in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November 2019 bis zu einer Obergrenze von 1 Mio. Euro gewährt, soweit der bestehende beihilferechtliche Spielraum des Unternehmens das zulässt (Kleinbeihilfenregelung der EU).
Tilgungszuschuss Corona
Unternehmen und Selbständige aus den Wirtschaftsbereichen der Schausteller und Marktkaufleute, der Veranstaltungs- und Eventbranche sowie des Taxi- und Mietwagengewerbes können den „Tilgungszuschuss Corona“ des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg beantragen. Mit dem Tilgungszuschuss wird einmalig die Hälfte der Jahrestilgungsrate 2020 des antragstellenden Unternehmens mit einem Satz von 80 Prozent (das heißt: 40 Prozent der Jahrestilgungsrate) gefördert. Förderfähig sind dabei die nach den Regeltilgungsplänen im Jahr 2020 anfallenden Tilgungsraten für Investitionen und Betriebsmittel frühestens ab Bewilligung von Krediten. Das dem Kreditvertrag zugrunde liegende Realgeschäft muss vor dem 11. März 2020 erfolgt sein.
Die Förderung kann nur für ab dem 1. Januar 2020 zu leistende Tilgungsverpflichtungen gewährt werden. Die maximale Förderung mit dem Tilgungszuschuss beträgt 150.000 Euro je Antragsteller – soweit sich im Einzelfall kein geringerer Höchstbetrag aus beihilferechtlicher Sicht ergibt. Anträge können bis zum 15. Dezember 2020 gestellt werden.